Wo die Wolken ziehen – Borkum. Nordtour 2014

Südstrand Borkum

Mitten in der Nacht

Das erste Ziel meiner kleinen Nordtour war die beliebte Nordseeinsel Borkum. Der Urlaub auf der größten ostfriesischen Nordseeinsel ist seit den Kindertagen meiner Mutter Tradition in unserer Familie.

Um größeren Staus zu entgehen fuhr ich schon um zwei Uhr nachts durch die dunklen Autobahnen vorbei an Schwertransportern und geschätzt 15 Baustellen immer Richtung Norden nach Emden, dem Sonnenaufgang entgegen. Im dunkelblauen Schleier der blauen Stunden erreichte ich nach fünf Stunden und ohne Verkehrsbehinderungen die Küste.

Das frühe Fahren hat sich ausgezahlt – mein Spritverbrauch war etwa um ein Drittel geringer als normal und der ganze Tag lag noch vor mir. Erst am Nachmittag wollte eine Freundin nachkommen, die nicht wie ich 550 km fahren musste und keine Vorliebe für das Frühaufstehen hat.

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Eine Bootsfahrt, die ist schön

Schnell das Auto günstig am Fähranleger geparkt, ging ich die kurze Strecke zur Fähre (die Tickets waren schon online bestellt). Schon früh morgens war der Himmel klar und kündigte einen wunderschönen Strandtag an.

Die zwei Stunden Fährfahrt vergingen wie im Flug. An Deck legte ich mich auf eine Bank in die Sonne und genoss die frische Nordseeluft. Mit einem einladenden Panorama kündigte sich Niedersachsens einzige Hochseeinsel schon von Schiff aus an.

Schon von weitem sind die bunten Strandzelte, die drei Leuchttürme und die sandige Küstenlandschaft inmitten des Meeres zu erkennen.

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Auf Gleisen durch die Dünen

Am Hafen wartete traditionell die Borkumer Kleinbahn auf alle neuen Inselgäste. Die historische Bahn mit Namen lokaler Orte für die einzelnen Waggons, wie etwa Woldedünen oder Tüskendöör, fährt täglich mehrfach vom Hafen zum Ortskern. Also bummelten wir mit geschätzt 20 km/h durch die sommerliche Insel zum Stadtkern.

Appartement Haus Seestern

Mittlerweile hatten wir weit über 20 Grad als ich mit meinem Koffer laut rollend zu unserer Ferienwohnung im Appartmenthaus Seestern lief. In der einladenden Villa mit der auffälligen Gartendekoration habe ich schon als Kind mit der Familie übernachtet. Mit unserem Vermieter Herrn Plesse, der leider letztes Jahr verstorben ist, waren wir seit Jahren per Du.

Für verhältnismäßig günstige 60 € pro Nacht hatten wir eine gemütliche Wohnung im dritten Stock direkt unter dem Dach – gemütlich bedeutet in dem Fall sauheiße Nächte ohne viel Schlaf.

Appartementhaus Seestern
Appartementhaus Seestern
Los gehts mit dem blauen Blitz

Nächste Station: Fahrradverleih. Nur kurze Gehminuten weit weg liegt in Borkum eigentlich an jeder Straßenecke ein Fahrradverleih. Zwar sind Autos auf der Insel erlaubt, allerdings nur an wenigen Stellen.

Mit meinem blauen Blitz radelte ich entspannt zum Südstrand, der etwas schöner als der von Tagestouristen überrannte Hauptstrand Borkums ist. Auch hier war ich gut vorbereitet und hatte meinen Strandkorb im Internet reserviert – im Sommer ist spontan kein Strandkorb oder –zelt zu bekommen. Falsch gedacht!

Strandzeltchaos

Der gute Strandzeltvermieter hatte meine Reservierung verschlampt. Nach kurzem Hin und Her wurde ich mangels Alternative hochgestuft und bekam einen Strandkorb. Traditionell gibt es auf Borkum keine Körbe, sondern nur Strandzelte.

Diese sind einfach aus ein paar Latten und Planen gezimmert. Drinnen sind eine kleine Bank, eine Schaufel und eine Strandliege. Da Borkum früher eher Urlaub für die Arbeiterklasse geboten hat und kein mondänes Charisma wie Norderney oder Sylt hatte, war hier alles für den kleinen Geldbeutel ausgerichtet.

Auch heute verbringen hier vor allem Leute aus dem Ruhrpott, Familien und Rentner ihre Ferien. Den Charme der Insel macht vor allem die Einfachheit der Einwohner, Urlauber und Unterkünfte aus. Damit geht auch eine generelle Entspanntheit im Umgang miteinander einher.

1, 2 ,3 Entspannung

Soweit so gut. Zwölf Uhr mittags, ich hatte die Wohnung, ein Fahrrad und einen Strandkorb. Der Urlaub kann beginnen. Unterbrochen von kleinen Schlafpausen verbrachte ich den restlichen Tag am Strand und lauschte den Möwen, schreienden Kindern und tratschenden Alten.

Im weißen, weichen Sand des Südstrandes aß ich mittags ein Eis und schaute den Badelustigen Gästen beim Planschen zu. Wir hatten immer noch weit über 30 Grad als ich die Freundin, die sich spontan meinem Urlaub angeschlossen hatte, vom Inselbahnhof abholte.

Sie war mit der zweiten Fähre des Tages um 14 Uhr losgefahren und errichte mit der Bimmelbahn um 17 Uhr den Bahnhof. Schnell die Wohnung bezogen zogen wir zu Fuß los zum Lidl einkaufen. Typisch ostfriesische Verhältnisse hatten wir Angst, dass der einzige Discounter auf der Insel schon um sechs Uhr abends zu macht.

Wir stellten aber fest, dass sich diesbezüglich doch etwas geändert hat und die Geschäfte zur Hochsaison sogar bis 19 Uhr offen sind. Die Strecke war für Inselverhältnisse ziemlich lang und die Sonne ziemlich heiß, daher waren wir froh wieder in der auch ziemlich heißen Wohnung zu sein. Entgegen unserer Absicht gesund zu kochen, verschlug es uns – wie noch öfter auf unserer Reise – zum Metzgergrill gegenüber.

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Sonne pur

Die nächsten zwei Tage waren sehr heiß, wir hatten strahlen blauen Himmel und verbrachten die meiste Zeit am Strand bzw. im Strandkorb. Ich wurde quasi stündlich brauner.

Mittags aßen wir an den Strandbuden, die sich an allen Stränden der Insel befinden. Hier gibt es bodenständige Hausmannskost wie vor fünfzig Jahren. Milchreis mit Roter Grütze, Bockwurst mit Kartoffelsalat, Linsensuppe oder Griesbrei – satt wird auf jeden Fall jeder! Als Liebhaber für Jahrmarktsüßigkeiten, fand auch ich hier immer etwas Neues zum Ausprobieren.

Der Sand brannte derweil wie Feuer unter unseren Füßen. Gegen Nachmittag machte ich daher immer eine kleine Tour mit dem Fahrrad durch die Greune Stee, den kleinen Wald Borkums.

Diese Ausflüge verschafften mir nicht nur Abkühlung, sondern auch etliche Bremsenstiche. Ein Besuch des Waldes lohnt sich, denn dort erfährt man die Küstenlandschaft als lebendiges Biotop abseits der bekannten Dühnenlandschaften.

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Gegen Abend, wenn es sich wieder etwas abgekühlt hatte, machten wir eine kleine Radtour oder aßen das berühmte „Mohreneis“ (Eis mit einer Schokoladenschicht) am Hauptsstrand.

Keine Langeweile bei Regen

Unser letzter Tag begrüßte uns leider mit einer regnerischen Wolkendecke. Nachts hatte es gewaltig gewittert und nun regnete ich sich über der Insel ab. Den Vormittag verbrachten wir mit Einkaufen, was auf Borkum wirklich Spaß macht, da es nur lokale Einzelhändler und keine Ladenketten gibt.

Etwas ratlos, was wir machen sollten aßen wir gegen Mittag einen riesigen Pfannkuchen im Pfannkuchenhaus beim Bahnhof.

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Fahrradtour durch die Insel

Zum Glück hörte der Regen am Nachmittag auf, sodass wir eine Fahrradtour zum östlichen Teil der Insel, dem Ostland starten konnten. Quer durch die raue Landschaft auf der Insel und vorbei an Pferdewiesen kamen wir zum Uplands-Hof.

Der Pferdestall und Streichelzoo ist vor allem für Kinder ein Highlight. Wir verdrücken in dem gemütlichen Café eine überdimensionale Ostfriesentorte aus Rosinen, Marzipan und sehr viel Sahne.

Frisch gestärkt ging es über den Neuen Deich (zum Glück mit Rückenwind) und durch die Greune Stee direkt zum Südstrand. Trotz 19°C und Wind verbrachten wir noch ein paar Stunden am Strand und beobachteten ein Beachvolleyballspiel am Netz. Schweren Herzens trennten wir uns abends von unserem Korb und unseren Fahrrädern.

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Das schöne Wetter kommt zurück

Der Abreisetag begrüßte uns unfairerweise wieder mit strahlend blauem Himmel. Um noch etwas von dem schönen Wetter nutzen zu können ging ich früh morgens durch die Greune Stee, entlang des Südstrands und bis zum Hauptstrand joggen. Einfach traumhaft wie am Morgen alles langsam erwacht und die Sonne vor den Augen einiger Frühaufsteher den Horizont erobert.

Die Zeit bis zur Abfahrt unserer Bahn um 10.30 Uhr verbrachten wir daher auch am nahegelegenen Hauptstrand und beobachteten eifersüchtig die ersten Badegäste, die sich in ihren Strandzelten für den Tag einrichteten.

Mit Bahn und Fähre reisten wir dann unter den strahlenden Augen der Mittagssonne zurück nach Emden. Dort ging es für mich weiter in Richtung Kiel, dem zweiten Ziel meiner Nordtour 2014!

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