Wie Cowboys in der Wüste ausreiten – Tuscon. USA 2014

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Nach zehn Stunden gesundem Schlaf wachte ich krebsrot in meinen weißen Laken auf. Da half auch die tolle Cocoa Bodybutter vom Walmart nicht mehr weiter und ich musste die nächsten Tage eindeutig als Tourist gebrandmarkt weitereisen. Trotz unserer Streckenumstellung fuhren wir heute noch einmal nach Süden, denn es stand der Höhepunkt unserer Reise bevor: Ein Ausritt durch die Wüste.

Insterstate nach Tuscon

Wir verließen morgens um 10 Uhr mit schwerem Herzen unser Hotel und düsten auf der Interstate nach Tuscon. Da der Ausritt erst für nachmittag gebucht war und meine Haut keine Hitze mehr ertragen konnte, fuhren wir auf den Mount Lemon. Der Berg kann von Tuscon aus auf einem Scenic Drive befahren werden. Hier ziehen sich auch die Einheimischen, wenn die Temperaturen im Sommer unerträglich werden, zurück. Oben angekommen war der Berg mit Nadelhölzern bewaldet und es gab eine kleine Siedlung mit Blockhütten. Es fühlte sich beinahe wie die großen Nationalparks Kaliforniens oder wie im Yellowstone National Park an. In einem kleinen Touristenladen kauften wir selbstgemachtes Fudge und fühlten uns wie mitten in den Kanada.

Von diesem angenehmen Ausflug zu 16°C Außentemperatur ging es wieder bergab in die glühende Hitze. Unten in Tuscon herrschten wieder über 30°C. Unser kleiner Ausflug in die Berge hatte länger gedauert als wir gedacht hätten, sodass wir uns nun sputen mussten. Bobby Houstons Horseback Riding war ihren Nachbar offenbar eine völlig Unbekannte. Als wir dachten, dass wir endlich unser Ziel erreicht hätten, waren wir beim falschen Hof gelandet. Nachträglich muss man sagen zum Glück, weil dieser Hof eine riesige, unpersönliche Anlage mit Massen an Menschen und Tieren war. Die ganze Strecke nochmal zurück fanden wir doch noch unser Ziel.

Hinter einem unauffälligen Tor wartete schon eine Angestellte von Bobby auf uns. Nachdem wir geparkt hatten mussten wir geschätzte 300 Meter über einen Hof laufen, der über und über mit historischen Landmaschinen vollgestellt war. Ein Hobby von Bobby Mann, wie uns die Angestellte erklärte. Trotzdem war die Anlage liebevoll gestaltet und hatte eine ganz eigene, individuelle Note.

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Über ein paar weitere kleine Höfe vorbei an Gebäuden mir sich nicht erschließender Funktion (wahrscheinlich noch mehr Lager für die rostenden, historischen Landmaschinen) erreichten wir ein paar Pferde, eine Sattelkammer und das Team von Bobby. Etwa 10 Pferde oder besser Ponys wurden gerade gesattelt. Wir würden zusammen mit einer Familie ausreiten, teilte uns Liz mit, eine Studentin, die den Ausritt leiten sollte. Nachdem jeder sein Pferd erhalten hatte, einen Helm und Wasser bekam sowie ein paar Anfänger-Reithinweise erhalten hatte, ging es los. Wer jetzt an ein wildes Galopprennen in die untergehende Sonne denkt, liegt weit daneben.

Bobby Houstons Horseback Riding

Da ich die einzige mit Reiterfahrung in der Gruppe war, blieben wir im Schritt. Trotzdem war es das beeindruckendste Erlebnis der Reise. Auf einem einsamen Tritt ritten wir durch Saguaro-Kakteen und Steppengras. Der Boden war voller Nester von Tarantulas, wir sahen eine Eule in ihrem Versteck in einem Fels und zwei Wüstenhasen. Glücklich beendeten wir die Tour nach zwei Stunden. Bobby nahm uns in Empfang und ich verabschiedete mich von Pony Sterling. Allen, die in Tuscon einen Ausritt hoch zu Ross erleben möchten, lege ich Bobby Houstons Horseback Riding wärmstens ans Herz. Es ist ein kleiner Betrieb, aber die Tiere sind gepflegt und gut ernährt. Die Betreuer sind sehr nett, gut geschult und es wird an die Sicherheit der Reiter gedacht. Im Gegensatz zu der großen Anlage, die wir erst fälschlich angefahren hatten, hatte bei Bobby alles ein persönliche Note – von der Leidenschaft für rostige Landmaschinen über die lustigen Ponynamen bis zur kleinen Gruppe, die ein exklusives Erlebnis verspricht.

Zufrieden nach dem aufregenden Tag fuhren wir zurück nach Phoenix. Kurz vor Phoenix sah ich Blicklicht im Rückspiegel. Erst war ich mir nicht sicher, ob ich gemeint war. Doch ich war gemeint, wenn mir auch nicht klar war warum. Rechts am Fahrbahnrand saßen wir im stocksteif im Auto, als ein junger Police Officer an das Fenster trat. Mit dem genialen Einwurf „We are from Germany“ konnte ich die Situation sofort einschärfen. Der Officer fragte uns, was wir denn glaubten, warum er uns angehalten hätte. „Keine Ahnung, in Deutschland fährt man immer so“, sagte ich. Was ich nicht wusste, war dass ich das Licht vergessen anzumachen hatte, 10 mpH zu schnell war und angeblich zu dicht aufgefahren sei. Tatsächlich hätte ich die ersten beiden Sachen auch ohne Probleme zugegeben, aber eine Verwarnung bekam ich nur für das Auffahren. Mir völlig unverständlich, aber ich bin wahrscheinlich auch nicht besser als die anderen deutschen Rowdies.

Burger Brater in Phoenix

Nach einem absurden Gespräch beim örtlichen Burgerbrater („Do you know, Berlin is Babylon. Hitler tried to build a new Babylon there“) fielen wir todmüde ins Bett.

Unterkunft

Motel 6 Phoenix (2 Queensize-Betten 32 $ p.P.)

** von ***** Sternen

Essen

Lokale Burger-Kette

*** von ***** Sternen

Wetter

25°C Tuscon

Ausgaben

32 $ Motel 6 Phoenix

17 $ Einkaufen

20 $ Tanken

60 $ Ausritt

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