Von Künstlern, Klöstern und komischen Puppenmuseen – Lago Maggiore 2016

Morgens genossen wir ein ausgiebiges Frühstück auf dem Balkon bei Sonnenaufgang über den Bergen. Das Wetter schien standhaft, also entschlossen wir die Gegend zu erkunden.

Unser erstes Ziel war das versteckte Künstlerdorf Arcumeggia. In der Mitte des 20. Jahrhunderts haben sich namhafte Künstler hier an den Häuserwänden verewigt.

Nachdem wir vor unserer Abfahrt festgestellt hatten, dass wir die Fenster des Adam über Nacht sperrangelweit offen gelassen hatten… (zum Glück nichts passiert) fuhren wir durch Berge und Täler ins Inland.

 

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Über eine vier Kilometer lange Abenteuer-Serpentinen-Straße erreichten wir das kleine „Künstlerdorf“. Schnell stellten wir fest, dass die Künstler sich wohl schon sehr lange hier nicht mehr aufgehalten haben.

 

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Oder sie haben sich mit der auf sehr ärmlichem Niveau lebenden Dorfbevölkerung  assimiliert. Letzteres ist wohl eher unwahrscheinlich, denn in diesem Ort schien eher gar niemand mehr zu leben.

 

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Wir strichen durch die Straßen und engen Gässchen des Orts und begegneten ein paar Rucksacktouristen, aber keinen Einwohnern – irgendwie gruselig.

 

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Apropos gruselig, das trifft auch auf unser nächstes Ziel zu: Die Rocca Boromeo in Angera. In der alten Burganlage befand sich das weltweit größte Puppenmuseum. Wer hier mehr oder weniger niedliche Spielgefährten für Kinder erwartet hat weit gefehlt.

 

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Mal ehrlich – die Puppe unten links hat eine Kartoffel als Kopf, die Puppe darüber hat zwei Gesichter und selbst die Ente schaut als würde sie einem gleich den Kopf abbeißen…

 

In den kalten Mauern der alten Burganlage präsentierten sich die Puppen wie in einem Gruselkabinett. Halb amüsiert, halb verstört besichtigten wir unter Beobachtung von miesmutig bis bösartig dreinblickenden Puppengesichtern die dunklen Ausstellungsräume.

 

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Als wir schon dachten, wir würden diesem schier endlosen Ausstellungslabyrinth nie entkommen, erreichten wir die alten Prunkräume der Burg und staunten über die originale Bemalung aus ? 14. und 15. Jahrhundert.

 

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Schmetterling

 

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Um uns von diesem grausigen Schreck zu erholen, pausierten wir eine Weile im idyllischen Schlossgarten und genossen den Blick über den See. Von außen und im Sonnenschein sah die trutzige Burg nur noch halb so schlimm aus.

 

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Das Grauen als Motto passt auch perfekt zu der letzten Attraktion des Tages. Das Kloster Santa Caterina del Sasso schmiegt sich an den Uferfelsen des Sees heran und kann nur über eine lange Treppe erreicht werden.

Zusammen mit Massen an alten, jungen, gläubigen, fotogeilen und gelangweilten Touristen  trappelten wir entlang des Felsens in einer Schlange zum Kloster. Ganz am Ende des Weges erreichten wir die Wallfahrtskirche.

 

Santa Catharina de Sasso

 

Hier drängte sich eine Menschentraube an das Grab des Eremiten Alberto, dessen mumifizierter Leichnam nicht mehr viel des ehemaligen Charismas des Klostergründers versprüht. Für uns Mitteleuropäer ist die Präsentation der Mumie des Heiligen in einem Glassarkophag eher abstoßend.

Zurück in unserer Ferienwohnung gönnten wir uns um den Tag perfekt abzurunden, etwas wirklich Widerliches zum Abendessen. Große Gourmets, die wir sind, kauften wir im Billigsupermarkt eine Dreier-Packung Margerita-Pizza für 1,45 Euro und pimpten diese mit Billig-Käse auf. So etwas ekliges habe ich schon lange nicht mehr gegessen…   

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