Über 1200 Jahre Klostergeschichte in Lorsch

Das Reichskloster Lorsch war schon frühen Mittelalter ein kultureller Hotspot. Karl der Große, bedeutende Kirchenfürsten und das Who is who des Deutschen Reiches gaben sich vor über 1000 Jahren in der bedeutenden Benediktinerabtei die Klinke in die Hand.

Sogar ein römischer Papst, der legendäre Reisepapst Leo IX., soll einst in der für damaligen Verhältnisse gewaltigen Klosterkirche vor dem Altar gebetet haben. Bis tief in den Odenwald und weit über die Rheinebene hinaus besaßen die Mönche der Abtei Besitztümer, Ländereien und Güter. 

Ab dem 11. Jahrhundert verlor die einst mächtige Gemeinschaft an Bedeutung. Die Machtverhältnisse verschoben sich und die Grablege bedeutender Kaiser und Könige geriet in Vergessenheit.

Nachdem die Mönche das Kloster verlassen hatten, nutzen die Lorscher Bürger die Steine der Gebäude. Mit jeden weggetragenen Stein ging auch immer ein Teil der bedeutenden Geschichte des Ortes verloren.

So stehen die Historiker bis heute vor einigen Rätseln. Wozu diente die Königshalle? Wie sahen die Gebäude genau aus? Wer lebte in den Klostermauern?

Die alten Gemäuer schweigen und die Schriftquelle sind lückenhaft. Die heutige Anlage ist frisch renoviert. Eine preisgekrönte Landschaftsgestaltung zeichnet dezent die vermuteten Klostermauern nach. Nur noch das Kirchenfragment – ein Teil des Langschiffes – deutet auf die ursprüngliche Größe der spätmittelalterlichen Kirche hin.

Die sogenannte Königshalle stellt ein architektonisches Unikat aus der Karolingerzeit dar. Thronsaal, Richterzimmer oder Lagerraum – die Theorien zu ihrer Funktion sind vielzählig, verlässliche Antworten gibt es keine. Vielleicht löst die Zeit irgendwann das Mysterium.

Die Klosteranlage ist sowohl von der A5 als auch der A6 schnell zu erreichen. Ich kann jedem empfehlen hier einen kurzen Zwischenstopp einzulegen.

Eine halbe Stunde Zeit zum Entspannen und historische Luft schnuppern reicht völlig aus. Wer das kleine Museum mit zahlreichen Grabungsfunden besichtigen möchte, sollte etwas mehr Zeit einplanen.

 

 

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