San Francisco – Der lange Weg von Chinatown zur Gefängnisinsel Alcatraz

Donnerstag, 30. August

7:00 Uhr, San Francisco, Forest Hill

Es war ein kalter Morgen in den Anhöhen der Stadt. Mit schweren Knochen krochen wir aus unseren unbequemen Betten. Aus unseren Kellerfenstern drang Nebel und Kälte. Zum Frühstück alte Kekse und braune Bananen.

8:10 Uhr, San Francisco

Im Bus können wir unseren Atem sehen. Wie kann das sein? Vorgestern noch 40 Grad und heute frostige Herbststimmung. Mit der Muni queren wir Ashbury/Haight, Castro, den Mission District und landen im Zentrum. Auf dem Sitz gegenüber erklärt eine aufgebrachte Hobbypsychologin einem offenbar verzweifelten jungen Mann seine Gefühlslage. Er scheint keine emotionalen Bindungen eingehen zu wollen, laut ihrer Diagnose. „Ich will auch nicht“, ist seine leicht trotzige Reaktion. Spannend.

9:00 Uhr, San Francisco, Downtown

Eine Menschentraube an der Powell Street. So viele glotzende Menschen können nicht irren. Dramatische Szenen spielen sich ab. Nicht alle können mit der Cable Car mitfahren. Hier herrscht das Gesetz des Stärkeren.

9:20 Uhr, San Francisco, Chinatown

Die Touristenversion von Chinatown überzeugt mit Sauberkeit, Trash-Asia-Läden und qualifizierten Kommentaren anderer Touristen zum Leben der Asiaten in den USA. Wer richtig in das pralle chinesische Leben eintauchen möchte, ist hier ganz, ganz falsch.

10:30 Uhr, San Francisco, Citylights Bookstore

Der laut Internet „beste“ Buchladen der Stadt entpuppt sich tatsächlich als kleines Juwel. Gut sortiert, nicht überladen, klasse!

11:45 Uhr, San Francisco, Chinatown

Noch ein Geheimtipp aus dem Internet: essen bei Mr. Canh. Wir werden von einer rabiaten Dame auf unseren Platz gewiesen und bekommen zehn Minuten unser Essen (was auch immer wir da bestellt haben). Zum Glück sind wir zu zweit, Singlegäste müssen einen Dollar Strafaufschlag bezahlen.

12:30 Uhr, San Francisco, Lombard Street

Sieht nett aus, voller Touristen, kann weg.

13:00 Uhr, San Francisco, Museum des Golden Gate Nationalpark

Immer wenn die Touristenmassen zu viel werden ist ein Museum das beste Heilmittel. Man kann es kaum glauben, aber die Bay ist auch ein Nationalpark. Und es hat eines der besten Museen. Wo die Nationalparks sonst eher immer lieblos die lokale Tierwelt und Gesteine präsentieren, erwartet die Besucher in San Francisco ein kulturhistorisches Museum rund um die Besiedlung und historischen Nutzung der Bucht seit der Indianerzeit.

13:50 Uhr, San Francisco, Pier 39

Bereits von Weitem hört man sie rufen: die Seehunde. Über 50 der gemütlichen Dickhäuter sonnen sich am Pier. Und wir mit ihnen. Und natürlich einem Peanutbutter-Icecreme-Scoop. Nach der Portion kann ich mich gefühlt gleich zu den fetten Meeressäugern dazulegen ohne aufzufallen.

18:45 Uhr, San Francisco, Alcatraz

Gruselstimmung bei der Nachttour auf der legendären Gefängnisinsel. Grusel nicht wegen des Ambiente, sondern wegen der Aussicht bis 9 Uhr bei A…kälte und eisigem Winde verharren zu müssen. Ich fühle mit den Gefangenen.

19:15 Uhr, San Francisco, Alcatraz, Trakt D

Dunkle Flure, minimale Zellenausstattung, nackte Wände. Wir fühlen uns an unser Air BnB im Keller erinnert.

20:30 Uhr, San Francisco, Alcatraz

Es ist stockfinster auf der Insel. Nun doch gruselig.

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