Report einer Reise: Lanzarote und die Montanas del Fuego

27.12.2017, 3:00 Uhr, Heidelberg

Warum klingelt der Wecker? So eine Scheiße, nie denke ich an das frühe Aufstehen, wenn der billigste Flug gebucht wird. Ich will schlafen!

27.12.2017, 9.30 Uhr, Flugzeug

Warum Ryan Air? So eine Scheiße, seit zwei Stunden kein Glas Wasser, dafür zehn Mal Rubbellose, Parfume und Gewinnspiele offeriert bekommen. Ich will schlafen!

27.12.2017, 10 Uhr OT, Flughafen Lanzarote

Geil, Sonne! Ein bisschen trocken hier, wo sind die Palmen? Mist, das war Gran Canaria.

27.12.2017, 10.30 Uhr, Arrecife, Autobahn

Eine Warnleuchte blinkt im Mietauto. Eine kleine Berglandschaft mit einem Ausrufezeichen darauf – oder, was ist das? Han Solo (Name geändert) googelt verzweifelt, Cindy (Name geändert) stemmt die Arme in die Hüften. Ich beschließe: Zurück zum Autovermieter.

27.12.2017, 11 Uhr, Flughafen Lanzarote

Peinliche Aktion. War nur der Reifendruck. Mussten 10 Cent zahlen, weil wir auf den falschen Parkplatz gefahren sind. Bei den Parkpreisen muss man sich nicht wundern, wie es um die spanische Wirtschaft steht.

27.12.2017, 11.30 Uhr, Landstraße

Beklommenes Schweigen im Auto. Niemand wagt es auszusprechen: Ganz schön hässlich hier.

27.12.2017, 12 Uhr, Mala

Juhuu, endlich angekommen in der Ferienwohnung. Habe das Losen um das beste Zimmer gewonnen, es gibt einen Pool und eine Terrasse mit Meerblick. Made my Day!

27.12.2017, 13 Uhr, Mala

Alles schläft. Ich will joggen! Auf geht es zum Meer. Ich entdecke ein kleines Dorf. Nur Nackte hier, und noch viel Schlimmer alle Deutsch. Traumhafte Ausblicke auf das Meer, leider geil.

28.12.2017, 10 Uhr, Mala

Es ist der erste Tag auf Lanzarote, und wir haben nur noch sechs weitere Tage. Sofort muss etwas unternommen werden, es besteht ernste Gefahr etwas zu verpassen.

28.12.2017, 10.30 Uhr, Jamedos del Agua

So toll können diese Wasserhöhlen nicht sein, dass wir dafür in einer endlosen Schlange anstehen. Krebse gibt es auch auf dem Teller, dafür zahlen wir keinen Eintritt!

28.12.2017, 11 Uhr, Strand im Norden der Insel

Barfuß flanieren am Strand ist nicht. Messerscharfes Lavagestein malträtiert unsere Füße. Trotzdem: top Urlaubsfeeling.

28.12.2017, 12 Uhr, Mirador del Rio

Wir haben den höchsten Punkt von Lanzarote erklommen! Naja, vielleicht andere Wanderer, also eher unser Auto. Ob es der höchste Punkt ist wissen wir auch nicht. Cindy hat einen Reiseführer, aber niemand fühlt sich zuständig da mal reinzuschauen. Sind viele Touristen hier, irgendwas ist schon.

Wir haben eine Theorie: vielleicht sind wir auch in einem James Bond Film. Das spacige Touristencenter sieht aus wie das Versteck von Goldfinger. Die Wahrheit lässt uns enttäuscht zurück: ein Ausblick. Aber immerhin die Erkenntnis: kein Ausflug zur Nachbarinsel La Gacisosa wegen noch mehr Wüste.

28.12.2017, 13 Uhr, Surferstrand

Laut Cindys Reiseführer der schönste Strand Spaniens, oder so. Angeblich…

28.12.2017, 14 Uhr, Teguise

Touristenmagnet alte Hauptstadt Teguise. Etwas verlassen hier, aber immerhin ein paar Shops. Leider ist der Weihnachtsmarkt geschlossen. Wir fühlen uns mit unserem Christmasfeeling alleine gelassen und essen ein Eis.

28.12.2017, 15 Uhr, Piratenmuseum

Was es wohl über eine Stadt aussagt, wenn ein Piratenmuseum über ihr thront? Die Meeresräuber hinterlassen kaum Eindruck. Was ist denn das bitte für eine Leistung, eine dröge Insel voller Hillybillies zu erobern? Idioten.

28.12.2017, 21 Uhr, Mala

Wir gucken fernsehen. Diese Kochshow für Kids ist die beste Sendung der Welt. Auch wenn Fernando erst 11 ist, muss er lernen sein Team zum Erfolg zu führen. Nur mitmachen ist für Looser, das sieht Elena auch so. Als Chef sollte er sich nicht von seiner Mitarbeiterin so rund machen lassen.

Jetzt ist jeder auf sich allein gestellt. Santiago ist mein Favorit. Wer so viel essen kann, muss auch ein guter Koch sein. Falsch gedacht. Santiago ist raus. Ich kann die Entscheidung der Jury nicht nachvollziehen. Frustriert gehe ich ins Bett.

29.12.2017, 9 Uhr, Mala

Es ist schweinekalt in der Wohnung. Wir brauchen dicke Winterkleidung für die Nacht.

29.12.2017, 11 Uhr, Arrecife

Im Decathlon gibt T-Shirts für 3 Euro. Ich kaufe 2. Wir können Cindy gerade noch davon abhalten ein Saunashirt aus Handtuchstoff zu kaufen. Verboten wegen hässlich.

Danach erstmal zu Macis. Han Solo findet, da gäbe es den einzigen vernünftigen Kaffee der Insel. Ich schweige dazu lieber.

29.12.2017, 22 Uhr, Mala

Ein Sportpullover wärmt kaum. Toll, Decathlon! Auch Fernsehkoch Fernando baut immer mehr ab. Ein Teamchef sollte vor seinen Mitarbeitern nicht weinen. Er ist für das Business wohl nicht gemacht.

30.12.2017, 11 Uhr, Costa Teguise

Cindy wünscht ein Bad am Touristenstrand. Wir müssen mit. Während Cindy planscht werden unsere Ohren mit den neuesten Hits von David Ghetta und Jason Darulo (den kenne ich, weil er eingangs in seinen Songs immer seinen Namen sagt) beschallt. Ich will weg!

30.12.2017, 13 Uhr, Dorf Uga

Wir waren in Uga und haben uns ein großes Loch angeschaut. War aber nix drin. Wohl nicht für Touristen gemacht.

30.12.2017, 13.30 Uhr, Landstraße

Ein Viertel Lanzarotes liegt wegen eines Vulkanausbruchs im 18. Jahrhundert unter einer Lavaschicht. Blöd für die Einwohner, gut für die Tourismusindustrie 300 Jahre später.

Wir versuchen Cindy die Aussprache des Namens des Nationalparks „Montanas del Fuego“ näher zu bringen. Zu mehr als „Monatas de Fugo“ und „Monta del Fuo“ reicht es leider noch nicht. Bei „Soschitso“, besser bekannt als „Chorizo“, sind wir aber besserer Hoffnung.

30.12.2017, 14 Uhr, Montanas del Fuego

Hier sieht es auf wie auf dem Mond; wenn es da Autos, Touristen und Reitkamele zum Mieten gibt.

30.12.2017, 14.30 Uhr, Montanas del Fuego

Das Touristencenter sieht aus wie eine Spacebasis. Ein Kunstwerk des Inselheiligen Ceásar Manrique. Neben der Architektur zählen gut vermarktbare Vulkanteufel mit Phallus zum Oeuvre des Lokalkünstlers. Mit solchen Schweinereien wollen wir nichts zu tun haben.

30.12.2017, 15 Uhr, Montanas del Fuego

Im Shuttlebus durch den Park erschallen dramatische Klänge von Richard Strauss, bekannt aus Kubricks 2001: A Space Odyssey. Wir sind gefesselt. Als wären wir beim Vulkanausbruch live dabei.

Cindy muss vorne beim Busfahrer sitzen. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Für sie ist es der Premiumplatz. So sind sie, die Leute aus der Grafschaft Bendheim.

31.12.2017, 10 Uhr, Charco del Palo

Abenteuer Nacktbadestrand. Alles voller deutscher Rentner hier. Wir sind noch etwas schüchtern.

Neues Lifegoal: bis zum Rentenalter Körper mit Tattoos und Piercings aufpimpen.

31.12.2017, 12 Uhr, Charco del Palo

Die einbrechende Flut macht das Naturschwimmbecken zu einem Wellenbad! Geil, ich möchte nie wieder woanders Urlaub machen.

31.12.2017, 21 Uhr, Mala

Han Solos Tablet ist auf die Fliesen gefallen. Bildschirm kaputt, Stimmung auch.

31.12.2017, 23.30 Uhr, Mala

Wir verlassen das Haus. Die Tür ist zu, der Schlüssel in der Wohnung. Die Stimmung ist im Keller. Wir hassen uns gegenseitig. Zum Glück ist unsere Vermieterin im Haus.

31.12.2017, 0 Uhr, Mala

Ach ja, Silvester ist auch noch. Bei den Rentnern ist wahrscheinlich mehr los. Wir trauen uns nicht nachzuschauen.

1.1.2018, 10 Uhr, Charco del Palo

Wellenbad ist täglicher Pflichttermin. Wir grüßen unsere britischen Nachbarn beim Schwimmbecken. Auch sie sind Außenseiter. Sie hat Blumentattoos am ganzen Körper, er einen Anglerhut. Sonst nichts.

1.1.2018, 12 Uhr, Jardins de Cactus

Als gute Deutsche sparen wir uns den Kaktusgarten nebenan. Was so nah an unserer Wohnung liegt, ist nicht exotisch genug, um von uns besucht zu werden.

1.1.2018, 13 Uhr, Elekromarkt Arrecife

Han Solo erwirbt einen SNES Mini für läppische 75 Euro. Die Augen glänzen, das kaputte Tablet ist vergessen

1.1.2018, 14 Uhr, Costa de Papagayo

Bettenburgen im Süden der Insel. Wer hier Urlaub macht, hat sich selbst aufgegeben. Gerippeartige Neubauten überall. Sobald unsere 10 Cent Parkgeld vom Flughafen den Inseletat rehabilitiert haben, kann hier weitergebaut werden.

1.1.2018,  16 Uhr, Mirador de las Salinas

Traumziel Surferstrand, genau mein Lifestyle. Schwarzer Strand öde. Surfer öde. Bitte weiterfahren.

1.1.2018, 17 Uhr, El Golfo

“Romantisches Fischerdörfchen mit Inselcharme”. Ganz klar eine Falle. Immerhin sprechen alle Deutsch. Restaurant reiht sich an Bar, an Café, an Hotel. Hier heißen maximal die Betreiber mit Nachnamen Fischer.

Exzellenter Fisch, romantischer Blick auf das Meer. Das gefällt!

1.1.2018, 20 Uhr, Mala

Han Solo im SNES spielen besiegt. Alles im Urlaub erreicht!

TV-Koch Fernando hat sich völlig übernommen. Eine Paella mit Meerestieren, Schecken und Seeanemonen. Also ich habe mit 11 Barbie und Lego gespielt.

2.1.2018, 10 Uhr, Charco del Palo

Das Meer ist besonders wild im Naturschwimmbecken. Ein gebührender Abschied. Die Nackten erzählen von einem Schokobrunnen in Costa Teguise. Das Highlight heben wir uns für unsere nächste Reise auf. Irgendwie traurig…

2.1.2018, 16 Uhr, Charco del Palo

Wir geben endlich unsere Postkarten ab und beschießen zu behaupten, die Post wäre schuld an der verspäteten Zustellung.

2.1.2018, 19 Uhr, Mala

Der letzte Abend. Ich habe vergessen, wie die Stimmung war. Wir mussten aufräumen und putzen. Das war jedenfalls nervig.

Wir streiten um Mülltrennung. Ich war dagegen. Bin jetzt wohl ein Umweltschwein.

3.1.2018, 9 Uhr, Flughafen Arrecife

Clever mitgedacht! Auf den richtigen Parkplatz gefahren. Nochmal investieren wir keine 10 Cent Parkgeld in die spanische Wirtschaft.

3.1.2018, 11 Uhr, Flugzeug

Rückreise. Chaotisch, ohne Plan, aber schön war es. Ich habe nichts gelernt und war ziemlich desinteressiert an der Inselkultur. Was für ein Luxus!

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