On the Road – ein Tag auf der Straße in Kanada

Bei einem Roadtrip durch die USA kann nicht jeder Tag ein Highlight sein. Grand Canyon, Yellowstone National Park, San Francisco – zwischen den großen Augenöffnern an der Westküste des nordamerikanischen Kontinent liegen oft hunderte Meilen. Das Land ist groß.

So kommt man wohl oder übel nicht drum herum ein paar sogenannte „Fahrtage“ zur Überbrückung großer Strecken in die Reise einzubauen. Während die berühmten Reiseziele routiniert ihr Standard-Touristenprogramm abspielen und der brave Touri sich in die Schlange für die besten Fotospots einreiht, gilt es an den Fahrtagen in eher unbekannten Gefilden Neues zu entdecken.

Daher widme ich diesen Beitrag unserer Fahrt von Kamloops, einem alten Handelsposten inmitten von British Columbia, nach Valemount, eines bezaubernden Bergdörfchens am Fuße der Rocky Mountains.

Nach aufregenden Tagen in Vancouver, der Perle der Ostküste, ging es für uns die nächsten Tage in die berühmte Wildnis Kanadas. Bären, Bäume und Bergen mussten aber für das Erste noch auf uns warten, denn er galt zuvor den mächtigen Bundesstaat British Columbia zu durchqueren. Kamloops bot sich wegen seiner Lage am Highway und halbwegs finanzierbaren Motels als Übernachtungsort an.

Kamloops – Kanadisches Kleinstadtfeeling

Der alte Handelsposten der Hudson Bay Company feierte 2012 sein 200 jähriges Stadtjubiläum. Die unauffällige Stadt am Thompson River liegt klimatisch günstig. Die milden Temperaturen erlauben eine intensive landwirtschaftliche Nutzung. Verkehrstechnisch günstig gelegen und mit einer Universität ausgestattet reiht sich Kamloops in die Vielzahl eher unbedeutenderer kanadischer Kleinstädte ein.

Da uns auf unserer Route diesen Tag nicht übermäßig aufregenden erwartete, beschlossen wir morgen spontan einen kleinen Rundgang durch die Stadt zu unternehmen. Zudem galt es noch ein paar Besorgungen zu unternehmen.

Früh morgens erwartete uns schon geschäftiges Treiben in der Stadt. Der Pioneer Park liegt direkt am Fluss und beherbergt das lokale Eisenbahnmuseum. Kamloops wurde Ende des 19. Jahrhunderts an die Canadian Pacific Railroad angeschlossen. Davon zeugt die bis heute in Betrieb befindliche Eisenbahnbrücke aus Holz. Dem wahrscheinlich einzigen Wahrzeichen.

Wir verließen das sonnige, sympathische Städtchen am späten Vormittag. Die Straße rief uns zu sich. Etwa 100 Kilometer mussten bis Clearwater geschafft werden.

White Water Rafting – Abenteuer im Wells Gray Provincial Park

Clearwater ist das Tor zum Wells Gray Provincial Park, welcher für seine Wasserfälle gerühmt wird. Das kleine Örtchen hat neben ein paar Service-Stellen (erprobte Trias: Tanke, Supermarkt, Touri-Shop) nicht viel zu bieten. Daher verwöhnten wir in einem kleinen Restaurant unseren Magen mit klassischem Ami-Food: Ribchen. Lecker!

Gut gestärkt lässt es sich nämlich besser Mountain Raften. Oder wie es hier heißt White Water Rafting. Ende August hatten wir die absolute Spätsaison für Raften erwischt. Wer hätte das gedacht? Daher hatte sich für unsere 14 Uhr Tour nur noch eine weitere Person angemeldet. Und wer war dieser mysteriöse dritte Gast? Natürlich Deutscher. Und was macht es noch besser? Lehrer!

Die Fotos von Raften sind leider ein Flop…

Zu viert mit Bernd, dem Lehrer, und Steve, unserem Tourguide, tuckerten wir mit dem Boot auf der Ladefläche über Schotterstraßen zum Rafting-Startpunkt. Bei strahlendem Sonnenschein stiegen wir in das Boot, keine zehn Minuten später brach ein gewaltiges Gewitter los. Tolle Wurst.

Drei Rafting-Noobs mitten im Fluss im Boot und ein überforderter Steve. Natürlich ist alles gut ausgegangen. Wir stoppten kurz an einer kleinen Höhle, die im Winter von Bären bewohnt wird. Das Gewitter verzog sich, der Regen blieb. Tapfer ruderten wir von Stromschnelle zu Stromschnelle, wanderten kurz zu einem Wasserfall und kurz bevor wir wieder am Bootshäuschen ankamen, zeigte sich der Himmel wieder im strahlendsten Blau.

Die Rocky Mountains nähern sich

Mittlerweile war es deutlich abgekühlt. 15 Grad und ein nasser Neoprenanzug ließen uns nicht lange Zögern. Raus aus den Klamotten und weiter. Das Rafting wird auf jeden Fall wiederholt. Lehrer Bernd hatte sich nicht als so nervig erwiesen wie gedacht und Steve hatte einiges zur Tier- und Pflanzenwelt des Clearwater River zu sagen.

Doch nun gab es nur noch ein Ziel für uns: Valemount. Noch ein paar Stunden trennten uns von der kleine Häuseransammlung. Unsere per AirBnB gebuchte Unterkunft lag etwas außerhalb im Wald. Unsere Bäremalarmglocken gingen gleich los. Doch unsere Gastmutter beruhigte uns rasch: „Wir haben unseren Hund, der bellt alle Bären weg. Wenn ihr ihn bellen hört, ist der Bär schon weg.“ Beruhigend, noch einen Blick auf die Rockies geworfen und gute Nacht!

 

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