Nachtleben in Vancouver – Stadt der tausend Lichter

,,Die Welt hat nie eine gute Definition für das Wort Freiheit gefunden“ Schon der gute alte Abe Lincoln wusste um die komplexe Sinnhaftigkeit hinter dem so unscheinbaren Wörtchen. Die kleine Freiheit hinter dem Großen ist für mich eine ganz simple: Freiheit auf den Verzicht von„Die Welt hat nie eine gute Fahrradhelmen! Ich beharrte bisher standfest auf mein Grundrecht auf Schädelbasisbruch und Gehirnerschütterung. Ich lauschte geduldig den besorgten Erläuterungen meiner Freunde und Kollegen. Ich verzichtete auf notdürftig zusammengezimmerte Gegenargumente. Und ich freute mich am Ende doch immer wieder über den frischen Wind in meinem unbehelmten Haar.

Dann kam Vancouver. Die Freude mit einem zweirädrigen Freund durch die Straßen Vancouvers zu radeln erhielt bei der Anweisung „Radfahren ohne Helm ist verboten“ einen argen Dämpfer. Und das war nicht der einziger Downer als wir am späten Abend nach unserer Ankunft mit dem Drahtesel gen Downtown bretterten. Unser AirBnB nahe dem Queen Elisabeth Park bot einen tollen Ausblick auf Downtown. Der Preis dafür war eine Mountainbiker würdige Steigung beim Rückweg – aber wofür gibt es schließlich eine U-Bahn

Das Leihfahrradsystem funktioniert ähnlich wie in anderen großen Städten: online einloggen, per Kreditkarte zahlen und die nächste Station um die Ecke suchen. In unserem Fall waren das 200 Meter die Straße runter. Bei strahlendem Sonnenschein radelten wir einfach durch das gut ausgebaute Radwegenetz mitten in die Innenstadt.

An einem kleinen Platz trafen wir vor einer historisch anmutenden Kirche auf unseren Guide. In Knickerbockern und mit gesteiftem Hemd konnten wir ihn quasi gar nicht verfehlen. Mit einer Gruppe von etwa 15 Leuten entführte er uns für die nächsten zwei Stunden ins Vancouver der Prohibition. Viele verbinden eher die USA mit dieser faszinierenden Epoche, aber auch in Kanada gab ein Zeitalter des Alkoholverbots.

Unter diesem Motto erkundeten wir die Stadtteile Downtown, Chinatown und Gastown. Mir sind heute weniger die historischen Fakten als Menschen, die wir während unseres Spaziergangs antrafen, in Erinnerung geblieben. Wir waren geschockt von der Vielzahl an Obdachlosen, die auf der Straße leben und vor allem auch pöbeln. Später sollten wir erfahren, dass Vancouver wegen seines warmen Klimas seit jeher ein Mekka für kanadische Obdachlose ist. Leider kein besonders guter Eindruck für den ersten Tag in der Metropole.

Trotz des mulmigen Gefühls ist das nächtliche Vancouver, vor allem Gastown mit seinen Lichterketten und bunten Farben, einen Ausflug in Dunkelheit wert. Das wussten natürlich auch schon die Menschen in den 1930ern, die keinen Pfifferling auf die Prohibition gaben und die Partymeile erst zu dem machten, was sie heute noch ist.

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