Motorisiert und auf Schusters Sohlen quer durch Utah

Sonntag, 19. August

8:00 Uhr, Tuba City

Wenn die amerikanische Ureinwohner sonst nichts könnten, Frühstück können sie auf jeden Fall auch nicht. Mit unserem Hotelgutschein gönnen wir uns eine ordentliche Portion Haferschleim mit Maispuffern. Der Hunger treibt es hinein. 

10:10 Uhr, Monument Valley

Eine der größten Entdeckungen der Reise geht direkt mit einer der größten Enttäuschungen der Reise überein. Aber zuerst das Gute. Wir entdecken die unendliche Welt der Crime-Podcasts. Ab diesem Zeitpunkt der Reise lauschen wir wann immer es ging den Geschichten der größten Verbrecher, Serienmörder und Triebtäter Deutschlands. Spannend. Nun zu der Enttäuschung. Eingangs hatten wir unsere Reise wegen der Waldbrände in Kalifornien umgeplant. Und nun brannte es auch in den kahlen Gegenden um das Monument Valley. Die massiven Steinformationen, die man zum Beispiel aus der Malboro-Werbung kennt, waren umgeben von schummrig-grauem Dunst. So lohnt sich das leider nicht. Also weiter.

12:00 Uhr, San Juan

An den Füßen der Berge liegt das kleine Städtchen San Juan. Verschlafen, möchte man meinen. Und damit liegt man auch genau richtig. In einer so unwirtlichen, felsigen Gegend lässt sich doch Keiner nieder. Keiner bis auf religiöse Fanatisten. Auf die ist eben immer Verlass. Joseph Smith, seines Zeichens Mormonen-Oberguru, war ein von deutscher Gründlichkeit geprägter Sektenführer. Untätigkeit war ihm ein Graus. Es galt die Lehre zu verbreiten bis in den letzten Zipfel des Landes. So schickte er Ende des 19. Jahrhunderts ein paar „Freiwillige“ in die Gegend von San Juan, die bis dato als nicht erreichbar galt wegen der unwirtlichen naturräumlichen Voraussetzungen.  Die fleißigen Mormonen schlugen sich wortwörtlich durch Stein und Schlucht und gründeten an einem – aus wirtschaftlicher Sicht völlig unsinnigen – Ort eine dem heiligen Johannes gewidmete Siedlung.

Die Bewohner sind bis heute begeistert von so viel religiöser Folgsamkeit. Unsere kurze Zeit in dem kleinen Freilichtmuseum nutzten wir also nicht nur, um den viel gerühmten Santa Fe-Fertigsalat vom Walmart zu verputzen, sondern schlenderten auch durch die historischen Blockhütten. Bei so viel Ergriffenheit ob der missionarischen Leistung der Vorfahren wurden auch wir ganz demütig.

15:00 Uhr, Canyonlands Nationalpark, Eingang

Da wir auf den Besuch des Monument Valley verzichtet hatten, fuhren wir mit einem guten Zeitpuffer in den Canyonlands Nationalpark ein. Wollen wir doch mal schauen, was die kleine Schwester des berühmteren Arches Nationalpark so zu bieten hat.

16 Uhr, Canyonlands Nationalpark, Mesa Arch

Wanderfreunde, die wir sind, entschieden wir uns fürs Erste für den 500 Meter Rundweg zum Mesa Arch. Eine gewaltige Wanderung über Stock und Stein. Der natürliche Gesteinsbogen überzeugt nicht nur wegen seiner Form, sondern auch durch den Blick. Er liegt an einer hunderte Meter tiefen Schlucht, die den Blick auf die dem Park namensgebenden Canyonlands alle Ehre macht. Ein beeindruckendes Naturerlebnis.

16:30 Uhr, Canyonlands Nationalpark, Aztec Butte

Gehen zwei Blondinen auf Wanderung… In den Felsen des Nationalsparks finden sich an verschiedenen Stellen Reste von Indianersiedlungen oder Zivilisationsspuren. Im Felsen des Aztec Butte kann man zum Beispiel ein Lebensmittellager entdecken. Zwei Wege gibt es am Trailhead. Ein kurzer Blick auf die Karte und los geht es. Vor uns erhebt sich ein Felsmonument mitten in der Landschaft. Wenn ich ein Indianer wäre, hätte ich mich da auch niedergelassen. Wir wandern, klettern, klettern steiler, klettern auf glatten Felsen. Nichts. Irgendwann wird es uns zu gefährlich. Wie sind denn diese Indianer da hochgekommen? Zurück am Trailhead die Antwort: gar nicht. Wir waren den falschen Weg gelaufen… Also nochmal los und nun richtig abbiegen, noch einen Berg hoch, geklettert und wir erreichen die kleine Steinmauer am Felsrand. Mehr Abenteuer geht nicht.

17:30 Uhr, Canyonlands Nationalpark, Upheaval Dome

Spätestens jetzt waren wir vom Wanderfieber gepackt. Wenn wir einen Kilometer schaffen, schaffen wir auch vier Kilometer. Wir kraxelten zusammen mit anderen Wanderern über große Felsen, in den Stein gehauene Treppen und wurden mit dem Blick auf einen riesigen Krater belohnt. Entlang des Felsrandes wanderten wir weiter bis zum Endpunkt des Weges. Im Krater offenbart sich ein fröhliches Farbenspiel aus verschiedenen Gesteinsarten. Vom blauen, oxidierten Erzgestein bis zum roten Sandstein. Eine beeindruckende Stille legt sich über die Landschaft. Die Anstrengung hat sich gelohnt.

20:00 Uhr, Moab, Quality Inn

Ha ha, es gibt zwei Quality Inn in Moab. Nach einer Ehrenrunde zum falschen Quality führt mein Weg direkt zum Hot Tub, Muskeln entspannen. Nun vollends vom Wandervirus befallen, werden wir morgen den Primitive Trail im Arches Nationalpark, Schwierigkeitsstufe: maximal schwer, erwandern. Ob das eine gute Idee ist?

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