Malta – das Laufhaus Europas

Mittelalterliche Städte, sandfarbene Festungen und sattgrüne Wiesen strahlen im grellen Sonnenschein um die Wette. Malta kann schön sein unter seiner kratzigen Fassade aus verbauten Stadtbauten, unfertigen Hochhäusern und löchrigen Straßen. „Europa in a nutshell“ – auf ihren wenigen Quadratkilometern leben die lakonischen Malteser in einem Querschnitt der Geschichte Europas.

Keine europäische Weltmacht, die etwas auf sich hielt, ließ es sich nehmen dem kleinen Eiland einen Eroberungsbesuch abzustatten. Griechen? Römer? Araber? Normannen? Deutsche? Kreuzfahrer? Franzosen? Briten? Ja, sie waren alle da und haben kleine Spuren hinterlassen.

Mit einem Kleinwagen, der für die engen Straßen der dicht besiedelten Stadtinsel, noch nicht klein genug war, erkundeten wir im Winter 2018/2019 die beiden Eilande Malta und Gozo.

 

Valetta, Sliema und Mdina – Wenn die Stadt nie endet

Inmitten eines kleinen Wohnviertels fanden wir unsere erste Unterkunft in einem kleinen Hotel mit fünf Betten Schlafsaal. Nach dem regnerischen, grauen Wetter der letzten Tage in Deutschland waren wir schier geblendet von den hellen Fassaden, buntgestrichenen Türen und dem hellblauen Himmel.

Der Stadtteil Sliema zählt zu einer der Kleinstädte bzw. Stadtteile von Valetta, die die Hauptstadt wie ein Speckgürtel umringen. Und viel wichtiger: hier geht die Party. Zumindest laut Touristenführer, zumindest im Sommer.

Bei frühlingshaften 18 Grad spazierten wir entlang der Promenade mit zauberhaftem Blick auf die neuesten Hotelbunker am anderen Ende der Bucht. Auch wenn Maltas Städte fast aus allen Nähten platzen, ein Hotel geht immer noch.

Mit dem praktischen Wassertaxi schippert man gemütlich über die Bucht nach Valetta. Europas wahrscheinlich kleinste Hauptstadt versetzt seine Besucher in die Zeit des mächtigen Johanniterordens. Historische Gebäude flankieren den Gang durch die Straßen, der gepflegte Barraka Garten lädt zum Verweilen ein und die St. Johns Cathedral beeindruckt mit ihrer goldenen Opulenz.

Trotzdem wirkt die Stadt heute weniger wie eine florierende Stadt voller Leben, Menschen und Geschichten als wie eine historische Puppenstube. Ein lebendiges Museum, bevölkert von Touristen und Repräsentanten. Der gewaltige Tritonbrunnen im Süden wie ein Wächter der Vergangenheit.

Hohe Mauern umgeben die alte Hauptstadt Mdina. Schon zur Bronzezeit siedelten sich auf der höchsten Erhebung Maltas Menschen an. Seitdem erfreut sich die Stadt höchster Beliebtheit. Römer, Phoenizier, Araber und alle, die ihnen bis in das 16. Jahrhundert folgen sollten ernannten Mdina zu ihrer Residenz.

Nicht zuletzt verschlug es das Drehteam der Fantasyserie „Game of Thrones“ in die Festungsstadt, um dort Szenen aus Kings Landing, der Hauptstadt des Fantasyreichs Westeros, zu drehen. So wurde Mdina nach über 400 Jahren wieder zu Hauptstadt.

Die Briten machen sich breit

Bevor wir mit unserem kleinen Auto durch die wenigen landschaftlichen Straßen Maltas fuhren, dachten wir eigentlich, es könnte nicht schlimmer kommen. Endlich weg von den engen Gassen, deren besonderer Herausforderung neben dem Linksverkehr auch die sportliche Fahrweise der Malteser war.

Bei den beuligen Blechbüchsen, die dort gefahren werden, würde ich mir auch keine Gedanken mehr machen. Damit es mit den Landschaftseindrücken für die städtischen Inselbewohner nicht zu viel wird, hat man einfach die Straßen auf beiden Seiten mit drei Meter hohen Mauern versehen. Natürlich einspurig, natürlich ohne Ausweichbuchten. Mehr brauche ich dazu nicht sagen, danke Malta!

Was nimmt man aber nicht alles auf sich um Highlights wie die Victoria Lines zu sehen? Zu Ehren der namensgebenden Queen wurde das System aus Verteidigungsmauern von einem anderen Inselvolk, das das Schicksal Maltas (massiver Bedeutungsverlust) erst viel später teilen sollte, erbaut: den Briten.

Diese hatten sich im 19. Jahrhundert, wie es sich für eine ordentliche europäische Weltmacht gehört, auch Malta unter den Nagel gerissen. Wahrscheinlich um den Franzosen eins auszuwischen.

Unter den Briten passierte in Malta skandalös wenig. Nicht einmal Wikipedia findet diese Epoche besonders erwähnenswert. Zu den Höhepunkten zählen zwei Ereignisse, denen wir Spürfüchse natürlich gleich nachgegangen sind: der Hafen von Marsaxlokk wurde ausgebaut.

Heute zählt er zu den bedeutendsten Umschlaghäfen des Mittelmeeres. Bekannt ist er wohl eher durch das zauberhafte Hafenbecken voller bunter Fischerboote.

Das zweite Ereignis führt uns in eine dunkle Epoche. Während des zweiten Weltkriegs fiel eine Bombe durch die Kuppel der Rotunde von Mosta. Dank eines Zufalls oder wie man später behaupten sollte: der Mutter Maria explodierte das Geschoss nicht.

Ein Wunder! Die Kirche ist heute ein Wallfahrtsort, der dazu einlädt die bombige Weltkriegsüberraschung zu bestaunen und vielleicht sogar die Lieben daheim mit einer kleinen Reliquie in Bombenform zu überraschen.

Das beste zum Schluss

Falls der eine oder anderen nun denkt: Das kann es ja noch nicht gewesen sein. Stimmt! Kurz vor unserer Rückkehr besuchten wir den wahren Sehnsuchtsort Maltas. Wer denkt schon noch an römischen Ruinen, mittelalterliche Kathedralen und die Spuren der Kreuzfahrer, wenn er zum ersten Mal das Popeye-Village entdeckt hat.

In Erinnerung an das filmische Meisterwerk mit Robin Williams wurde die Kulissenstadt zu einem Vergnügungspark umgestaltet. Der Blick auf die kristallklare Bucht und Fischerhäuschen aus einer Vergangenheit, die es nie geben hat, beschließt den Rundgang durch die Insel Malta. Alles waren sie hier, und wir nun auch!

Kommentar verfassen