Los Angeles – City of Stars, Teer-Mammuts und feurigen Ausblicken

Reisestress as usual

Mittwoch, 15. August 2018

7:00 Uhr, Heidelberg

Ich bin wach! Noch sieben Stunden bis Abflug. Schnell den Rest zusammenpacken, brauche ich wirklich auch ein Glätteisen und zwei Jacken im Hochsommer? Ja, auf jeden Fall!

10:00 Uhr, Heidelberg

Goodbye, altes Haus. Die nächsten drei Wochen nächtige ich (hoffentlich) in besseren Verhältnissen. Nur 60 Minuten Bahnfahrt bis Frankfurt. Müsste doch alles glatt gehen.

10:30 Uhr, Mannheim

Hello Bahnchaos. Premiumsitzplatz auf dem Boden vor den Türen erwischt. Personenschaden hinter Frankfurt. Jenni auch eine Stunde zu spät. Business as usual.

11:30 Uhr, Frankfurt, Check In

Immerhin müssen wir uns jetzt nicht langweilen. Also, Sprint zum Check In. Gestern zu doof zum Online-Check In, heute zu blöd zum Offline-Check In. Zum Glück gibt es nette Airport-Angestellte, die etwas Mitleid mit zwei blonden Volltouristen haben und das Procedere idiotensicher erklären, oder besser: für einen den Automaten bedienen. Das war wohl nix mit Personal sparen, liebe Lufthansa.

11:45 Uhr, Frankfurt, Gepäckabgabe

Waaaaasssss? Wir müssen unser Gepäck an einem Automaten selbst abgeben? Wo bleibt denn da das Reisefeeling? Die Zeiten als Reisen in den Lüften noch einen Hauch luxuriöses hatte? Wir fühlen uns als Reisende nicht abgeholt und bappen missmutig den Gepäcksticker selbst an unsere Koffer.

12:30 Uhr, Frankfurt, Gate A28

Treppe links, langer Gang, Treppe hoch, Gang rechts, Gang links, Treppe runter, geradeaus auf Laufbändern, etc. Nach einem ordentlichen Fußmarsch am Gate angekommen. Den ersten Burger haben wir uns schon einmal verdient. Immer wieder aufregend am Gate. Nicht.

14:00 Uhr, Frankfurt, Rollfeld

Platz in der mittleren Reihe in der Mitte bekommen. So reisen sonst nur Könige.

14:30 Uhr, über den Wolken

Entsetzen macht sich in Flugzeug breit. Das Bordentertainment ist defekt. Flugbegleiterin versucht zu schlichten: Wir hätten sonst gar nicht abfliegen können. Wäre für manche wohl die bessere Alternative gewesen.

16:00 Uhr, Los Angeles, LAX

Pünktliche Landung. Na, das ist doch mal was.

16:30 Uhr, Los Angeles, LAX

Wir waren die dritten am Kofferband. Mein Koffer kam ungefähr als allerletztes. Quality time am Flughafen, der Urlaub hat begonnen!

17:15 Uhr, Los Angeles, Hertz Station LAX

Nur 10 Minuten vom Betreten der Car Renal Station bis wir am Wagen sind. Das muss ein Traum sein. In den letzten Jahren immer mindestens eine Stunde Wartezeit. Es besteht die Auswahl zwischen 15 Autos, die alle irgendwie gleich aussehen. Wie sollen wir uns nur entscheiden? Wir grenzen ein: a) das Auto soll weiß sein (noch 8 zur Auswahl), b) das Auto soll eine helle Innenausstattung haben (noch 6 zur Auswahl), c) bitte keine Ledersitze, da saugt man immer fest (noch 4 zur Auswahl), d) einen großen Kofferraum (noch 4 zur Auswahl). Jetzt wird es schwierig: Hundai, Nissan oder Ford? Wir entscheiden uns für einen Hundai Sonata. Grund: wir hatten letztes Jahr auch einen Hundai. Fertig, los geht’s!

17:20 Uhr, Los Angeles, Straße

Stau.

18:00 Uhr, Los Angeles, Inglewood

Erstmal zu Walmart. Wasser, Süßes und allerlei sinnlosen Kram, der nur gekauft wird, weil wir es können. Jetzt aber schnell weiter. Irgendwie gruselig hier, wenn es dunkel wird.

19:00 Uhr, Los Angeles, Highway

Stau.

20.30 Uhr, Los Angeles, Hollywood

Entnervt im Hostel am Walk of Fame angekommen. Wir bekommen ein 10qm Zimmer im Keller neben der Küche – ist das deren ernst? Dafür über 100 Dollar die Nacht? Da hätten wir ja gleich ins Hilton gehen können 😉 Stimmung auch im Keller. Frustchips zum Abendessen.

 

No fire is gonna stop us

Donnerstag, 16. August 2018

2:30 Uhr, Los Angeles, Hollywood

Wach. Asiatin telefoniert vor unserer Tür. Oropax ist mein Retter in der Not

3:20 Uhr, Los Angeles, Hollywood

Immer noch wach. Riecht es hier nach Nudeln mit Tomatensauce?

4:50 Uhr, Los Angeles, Hollywood

Weiterhin wach. Offenbar haben alle gegessen und sich schlafen gelegt. Elendige Ruhe.

7:30 Uhr, Los Angeles, Hollywood

Immer noch wach. Ach Mist, wir machen uns Frühstück. Es gibt Waffeln zum Selbermachen. Naja, es sieht zumindest aus wie Waffeln. Der Geschmack ähnelt eher Pappe. Aber mit etwas Schokosauce schmeckt alles gut.

8:00 Uhr, Los Angeles, Hollywood

Beim Frühstück lernen wir eine Schweizerin kennen, die nach dem Bachelor die Welt erkundet. Sechs Wochen will sie mit dem Auto durch die Kalifornischen Nationalparks tingeln. Von den Waldbränden, die im ganzen Staat wüten hat sie noch nichts gehört. Immer diese Leute von hinter dem Berg. Hoffentlich wird das was…

8:30 Uhr, Los Angeles, Walk of Fame

Ha, wir schlagen dem Touristenstrom ein Schnippchen. So früh ist fast kein Mensch hier. Entspannt schlendern wir entlang der Sterne einmal hoch und runter. Alles gesehen.

10:00 Uhr, Los Angeles, Griffith Observatory

Auch hier fängt der frühe Vogel den Wurm. Vor 12 Uhr kostenlos parken. Kaum Menschen da.

10:10 Uhr, Los Angeles, Griffith Observatory

Jetzt wissen wir auch warum. Kaum Aussicht wegen des Waldbrands bei San Bernadino. Ich bin nur mäßig enttäuscht. Hatte damit gerechnet, dass man wegen des Smog wenig sieht, nun ist es Feuer. Irgendwas ist wohl immer in der Luft. Man kann hier auch wandern. Leider sind wir zu faul. Schade.

11:00 Uhr, Los Angeles, Highway

Stau.

11.30 Uhr, Los Angeles, Glendale

Shoppen für den Roadtrip. Zum ersten Mal on bord: eine Kühlbox. Die bestangelegten 8$ meines Lebens. Vielleicht waren wir auch schon mal kurz Klamotten shoppen, könnte ja sein, dass wir keine Möglichkeit mehr dazu haben. Wir wollten da einfach sicher gehen.    

12.30 Uhr, Los Angeles, Glendale

Das erste Mal in meinem Leben Panda Express „Orange Chicken“. Wie geil ist denn das bitte?

13:00 Uhr, Los Angeles, Highway

Stau.

13.30 Uhr, Los Angeles, La Brea Tar Pits

Hier wollte ich schon immer mal hin. 45$ für zwei Personen? Jetzt müssen die aber abliefern!

13.45 Uhr, Los Angeles, La Brea Tar Pits

Überall kleine Löcher mit klebrigem Teer. Teer? Nein! Der Guide erklärt uns Teilnehmern der Exploration-Tour, dass es sich um Asphalt handelt. Jetzt bin ich aber erleichtert, dass mir diese peinliche Verwechslung nicht mehr passiert.

In den dunklen Asphaltschichten unter der Erde haben sich jahrtausendealte Knochen von Mammuts, Säbelzahntigern und Riesenfaultieren erhalten. Die Mitarbeiter wühlen sich in den Grabungsstätten Zentimeter um Zentimeter durch den Asphalt. Es klebt. Es ist dunkel. Es riecht penetrant. Es geht nicht voran. Da hat sich das Paläontologie-Studium ja gelohnt.

15:00 Uhr, Los Angeles, Highway

Stau.

16:00 Uhr, Los Angeles, Runyon Canyon

Ein bisschen wandern ist heute doch noch drin. Wenn es keinen Waldbrandsmog gäbe, wäre der Blick auf die Stadt ganz wunderbar. Vor allem ohne andere Touristen. Halbnackte Jogger, gelipspritze Yogadamen und die Menschen von nebenan klettern mit uns durch die Hügel. Ganz an der Spitze thront ein junger Mann auf einer Bank. Die Hände auf die Knie gelegt, ganz in die Meditation versunken.

17:00 Uhr, Los Angeles, Runyon Canyon

Oben angekommen. Der Meditierende entpuppt sich als Deutscher. Ein angehender Filmschauspieler aus Frankfurt. Ist aber noch auf der Suche nach seiner ersten Rolle. Aha.

18:20 Uhr, Los Angeles, In and Out Burger

Endlich! Der erste Burger der Reise wird zelebriert. Halb Hollywood scheint sich zu Feierabend hier zu treffen. Bester Burger!

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