Kunst, Kultur und Kälte – Eine Reise nach Wien im November

Es gibt Städte, die versprühen einen goldenen Herbstcharme, Kerzenschein und Tannengrün verkünden vorweihnachtliche Wohligkeit, lichte Sonnenstrahlen spiegeln sich in den Schaufenstern UND es gibt Wien. 

Graffiti an den mondänen Häuserfassaden verkündigen eine angesichts der politischen Entwicklungen radikalisierte Gesellschaft, stumpf dreinblickende Gestalten betteln in dunklen U-Bahntunneln und unaufhörlicher Nieselregel umnachtet die Sinne. Hier fegt im November eisiger Ostwind durch kahle Straßen während der grauer Wolkenhimmel auf die Seele drückt und die Sonne nicht mehr als eine ferne Erinnerung ist – welcome to hell, Badass! 

Ehemalige Kasernentürme aus dem Zweiten Weltkrieg bei den Augärten. Die Sprengung wäre zu gefährlich, daher bleiben sie wie Mahnmale vergangener Tage am Horizont erhalten.

Selten habe ich bei einer Reise eine solche abweisende Stimmung erlebt wie in der Hauptstadt Österreichs im November 2017. Sicher spielte bei dieser Einschätzung das trübe Wetter ein wichtige Rolle, aber auch ich nahm auch die Stadt selbst als kalt wahr. Die glatten, hellen Häuserfassaden ragen in perfekt gepflegten Straßen gen Himmel. Kein Müll, keine Natur, kein aus der Rolle fallen – die gelebte Perfektion und Gradlinigkeit.

Was gibt es in einer solchen Stadt zu entdecken? Kann man sich mit der Lebensart einer Stadt nicht anfreunden, so bleiben immer noch Museen und Kultur, Weltflucht quasi. Und davon gibt es in dem ehemaligen Captus Mundi der Habsburger-Monarchie mehr als genug.  

Mussen & Ausstellungen

Das kunsthistorische Museum und das Naturhistorische Museum zählen zu den bedeutendsten Museen der Welt. Die beiden Zwillingsbauten sind im Museumsviertel in einer Flucht zur Wiener Hofburg gelegen. 

Das Kunsthistorische Museum (KHM) beherbergt einer der bedeutendsten kunsthistorischen Gemäldesammlungen. Bei unserem Aufenthalt stand der berühmte Barockmaler Peter Paul Rubens im Zentrum einer großen Gemäldeschau.

Kein Rubens. Aber zum Thema „Üppig“ passt es.

Die Ausstellung stellt bekannte Gemälde des für seine üppigen Damen bekannten Niederländers Ölskizzen und stilistischen Vorbildern gegenüber.

Das Naturhistorische Museum vereinigt diverse Sammlungen der Naturgeschichte und menschlichen Frühgeschichte unter seinem Dach. Die Venus von Willendorf ist zweifelsohne das Highlight-Objekt des Museums. Mich hat aber auch die weltgrößte Sammlung an Meteoriten und die mehrere Räume umfassende Gesteins- und Edelsteinsammlmung beeindruckt. Aber ganz sicher sind die lebensecht nachgebauten Dinosaurier die absolute Kultobjekte des Hauses.

Gemessen an den Kunst- und Kulturschätzen dieser beiden Museen geriet die Albertina etwas ins Hintertreffen. Die beiden Schauen, zum einen Skizzen des Renaissancemalers Raffael und zum anderen Skizzen des jovalen Renaissancemalers P. Breugel d. Ä., konnten gegen den Bombast der beiden Big Player im Museumsviertel nicht viel entgegensetzen. Trotzdem möchte ich die gewohnt humorvollen Zeichnungen Breugels nicht unerwähnt lassen 🙂  

Schlösser

Mitten in der Wiener Stadt liegt das Schloss Belvedere. Dieser historische bedeutsame Ort beherbergt nicht nur die Österreichische Nationalgalerie, hier wurde 1955 auch der österreichische Staatsvertrag unterschrieben. Die gewaltige Anlage aus dem 18. Jahrhundert mit barockem Schlossgarten ist mehrere hundert Meter lang. In zwei Haupthäusern, dem oberen und dem unteren Belvedere, werden unter anderem Werke von Gustav Klimt und die grotestken Charakterköpfe des verschrobenen Künstlers Franz Xaver Messerschmidt präsentiert.

Das Schloss Schönbrunn ist zweifelsohne eines der bekanntesten Highlights der Donaustadt. Das berühmteste Herrscherpaar der Habsburgerdynastie, Franz und Sissi, erlebten in der beeindruckenden Schlossanlage ihre besten Tage. Mit einem Audioguide werden die noch in originaler Ausstattung befindlichen Räume erkundet. Noch bis in das 20. Jahrhunderte lenkte Franz von seinem Arbeitszimmer in Schönbrunn die Geschicke der Welt mit. Die Gebäude, wie wir sie heute kennen, wurden einst von der legendären Maria Theresia – Mutter von sage und schreibe 19 Kindern – mitgestaltet. Durch eine geschickte Heiratspolitik sicherte sie die Interessen ihres Hauses in ganz Europa. Die viel gerühmte Gartenanlage mit der großen Paterre strahlte in der kalten November eine fast bedrohliche Stimmung aus. Vielleicht hat diese herbstliche Aussicht Kaiserin Sissi einst aus dem Schloss vertrieben.

Wien – ein Spaziergang durch die Stadt

Am letzten Tag meinte es der Wettergott doch etwas gut mit uns und ließ zwischendurch ein wenig die Sonne durchkommen. Wir spazierten mit unserem Tourguide, den wir über das Hop on, hop off-Tourkonzept mitgebucht hatten, durch die Wiener Innenstadt. Bei der doch recht oberflächlichen Führung blieb mir einige Zeit zum Fotografieren. 

Die Wiener Staatsoper im Stile der Neorenaissance bricht aus dem architektonischen Bild der Umgebung heraus. Als einziges Gebäude versprüht es italienisch anmutend mit seinen überwölbten Arkaden und freundlichem Sandstein keine kalte Atmosphäre. Es mag daher nicht verwundern, dass die Wiener Bürger ihre Oper damals gar nicht zu schätzen wussten und den Architekten mit ihrer Kritik in den Selbstmord trieben.  

Das herausragendste Gebäude Wiens ist der mittelalterliche Stephansdom. Das österreichische Nationaldenkmal wurde im 14. Jahrhundert zu Ehren des frühchristlichen Märtyrers Stephan erreichtet und gilt als architektonisches Meisterwerk. Wir meisterten die über 300 Stufen den Glockenturm, um mit einen Blick über die Stadt belohnt zu werden.

Abschließend darf bei einem Wienbesuch natürlich eines nicht fehlen: das Wiener Schnitzel. In einer kleinen Kaschemme direkt bei unserer Unterkunft ließen wir uns die Kalbsfleischspezialität servieren. Natürlich lebensecht von einer Wienerin mit Wiener Schmäh – mehr geht echt nicht! 

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