Grand Canyon – ein kontroverses Thema

Samstag, der 18. August

6:00 Uhr, Laughlin, Harrah Hotel

Als die Party am Strand ihren frühmorgentlichen Höhepunkt erreicht und die gewitzeren unter den Saufkumpanen aus Getränkereste neue Cocktails zaubern, sind wir schon wieder auf der Straße. Kingman lassen wir fürs Erste hinter uns, die Kleinstadt am Highway 66 werden wir in einer Woche erneut queren.

7:00 Uhr, Kingman, IHOP

Was wir am Vorabend an Maßlosigkeit beim Alkohol erlebt hatten, übertrugen wir nun auf den Magen. Wer sich im Pfannkuchenhaus IHOP nicht entscheiden kann, der wählt den beliebten gemischten Teller. So bestand unser Frühstück jeweils aus: 3 Pfannkuchen mit Butter und Sirup, Rührei, 2 Toast mit Butter, Speck und 2 Würstchen. Mit über 1300 Kalorien im Magen lässt es sich am besten in den Tag starten.

8:30 Uhr, Highway

Auf dem Weg zum Grand Canyon fahren wir durch die idyllischen Kleinstadt Williams. Eine der vielen Städte, die wahrscheinlich rein von Tourismus leben. Wir könnten kurz halten, machen wir aber nicht.

10:00 Uhr, Grand Canyon NP, Eingang

Mitten im Sommer zum Grand Canyon, da müsst ihr früh da sein. Sonst erwarten euch lange Schlangen. Kauft bloß vorher den Annual Pass, sonst müsst ihr noch länger warten. Hatten sie gesagt. Wir hatten drei Autos vor uns am Eingang, 5 Minuten, zack, drin. Entsetzt haben uns nur die Preise. 55 Dollar kostet mittlerweile der Eintritt in den Park. Zum Vergleich: 2014 waren es 35 Dollar.

10:20 Uhr, Grand Canyon, kurz vor dem Mather Point

Vier Jahre zuvor hatte ich zum ersten Mal den Grand Canyon erblickt – und war mittelmäßig enttäuscht. In Erinnerung blieben mir Massen an Touristen und ein Anblick, an dem ich mich schnell sattgesehen hatte. Würde es dieses Mal anders sein?

10:25 Uhr, Grand Canyon, Blick in die Schlucht

Nein, würde es nicht.

12:00 Uhr, Grand Canyon, Kolb House

Je länger ich mich mit der Geschichte der USA beschäftige, desto erstaunter bin ich, wie weit es doch immer wieder Dilettanten und Selfmade-Männer bringen konnten. Ein weiteres Beispiel für die vielgerühmte Hemdsämeligkeit, mit der die Amerikaner innerhalb weniger Jahrhunderte ihr Land zähmten, sind die Kolb Brothers, deren Haus am Abhang des Grand Canyon heute besichtigt werden kann.

Kaum über den Altantik eingereist, zog es die Brüder in den wilden Westen. Vom Anblick des Grand Canyons gefesselt, entdeckten sie ihre Mission, ihren Platz im großen Ganzen. Ohne jegliche Kenntnis vom Bootsbau, geschweige denn Bootsfahren und Rafting, beschlossen sie ohne jegliche Kenntnisse vom Filmkameras, geschweige denn vom Klettern, in den Grand Canyon zum Colorado hinabzuklettern, dort ein Boot zu bauen, den River herunterzuraften und sich dabei zu filmen. Denn dieses einmalige Naturphänomen gehört auf die große Leinwand und muss der Welt zugänglich gemacht werden. Gemacht getan. Gut so, oder eher: ok so.

13:00 Uhr, Grand Canyon, Desert View Tower

Nachdem wir die majestätische Schlucht von allen Seiten begutachtet und bewundert hatten, war es irgendwann auch gut. Am Desert View Tower blickten wir dann nochmal von Ost nach West in den Canyon (auch schön).

Etwas mehr Abwechslung gab es im Indianermuseum direkt um die Ecke. Schon vor über 1000 Jahren lebten die Hopi in den Gebiet. Heute lassen ein paar Ruinen Wirtschafts- und Wohnräume erkennen. Hier begegnen uns auch zum ersten Mal die mysteriösen Rundbauten, die die Indianersiedlungen im ganzen Südwesten prägten.

15:00 Uhr, Highway

Auf dem Weg zu unserer Unterkunft stoppten wir am äußersten Ende der Schlucht im Osten an einem kleinen View Point, an dem amerikanische Ureinwohner typischen Indianerschmuck verkauften. Irgendwie beschleicht mich immer ein bisschen schlechtes Gewissen, dort nichts zu kaufen.

Dabei haben nicht mal meine Vorfahren das Land der Indianer ausgebeutet und diese ihrer Wirtschafts- und Lebensgrundlage beraubt, nur um sich Jahrzehnte später mit dem miesesten, unfruchtbaren Boden des ganzen Landes zu entschädigen. Quasi, Gewissen rein gekauft. Die karge Landschaft mit ärmlichen Siedlungen und einsam stehenden Katen spricht eher ein andere Sprache.

19:00 Uhr, Tuba City

Ein neuer Abend, eine neue Zeitzone. Die Indianerstadt Tuba City macht einen ähnlich lieblosen Eindruck wie die ganze Umgebung. Weit und breit keine Fast Food-Butzen für das Abendessen, wenigstens Taco Bell lässt uns nicht im Stich.

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