Gönnen können – Gozo ist nur einmal im Jahr

Gozo, der Ballermann Maltas, Partymetropole im Mittelmeer und  Sonnenparadies mit Komasaufgarantie? Wir waren jung, heiß und hatten das nötige Kleingeld. Bierkönig, Schinkenstraße, Willie Herren – da winken wir nur müde ab. Schon mal bei Nacht in Viktoria gewesen?

Haariger Mitbewohner im Gozoer Farmhaus.
Ein Relikt aus der britischen Zeit: die Telefonzellen

Wir jedenfalls auch nicht. Wer sich mit Mitte 30 „gönnt“ meint nicht den Wet-T-Shirt-Contest im  Megapark, sondern Ausschlafen und Spazieren gehen. Wir haben keine Bierbongs geext, sondern mindestens zwei Liter Wasser am Tag getrunken. Und ein Glas Rotwein, soll ja gut für die Gesundheit sein. Aber mehr nicht.

Herrlicher Sonnenschein in Qala.
Bronzezeitlicher Tempel Ggantija bei Sonnenuntergang.
Auf Gozo wird auch an Silvester gearbeitet.

Weit weg vom nächsten Strand nächtigten wir in einem zauberhaften alten Bauernhaus mit großer Küche und Kamin. Das Partyvolk in unserer Nachbarschaft: zwei wilde Hunde und ein fetter Kater, der sich unter Autos versteckt hielt. Prügeleinen Betrunkener auf offener Straße? Wir fochten unsere Matches bei „Mensch ärgere dich nicht“ auf dem Spielbrett aus. Wenn es zu wild wurde, auch mal UNO. Manchmal sogar bis nach Mitternacht. Laute Partymucke?   Für uns das Knistern des Feuerholzes im Ofen.

Silvestermahl in der großen Wohnküche des Gozo-Farmhauses
Eine der größten Herausforderungen des Urlaubs: Feuer machen mit Sperrholz

Wo andere von Club zu Cocktailbar durch die Nacht tingeln, besichtigten wir alte Kirchen und historische Bauten.  Wusstet ihr, dass auf Gozo im Gegensatz zur Schwesterinsel Malta nicht eine einzige Szene von Game of Thrones gedreht wurde? Goethe war auch nicht da, und der war bekanntlich überall.

Wallfahrtskirche von Quala – könnte so auch bei Game of Thrones stehen
Ausblick von der Zitadelle auf das grüne Gozo

Nach so vielen nicht durchzechten Nächten konnten wir natürlich immer recht zeitig aufstehen. Gozo bietet eine exklusive Kulisse für lange Wanderungen mit Meerblick. Wer sich schnell an der Natur und so viel Grün satt gesehen hat, den laden die Betonmeiler und vermüllten Hinterhöfe in den Touristenstädtchen der Insel zu einem inspirierenden Stadtspaziergang ein.

Einsamer Wanderweg rund um die Insel.
Ausblick von unserem Framhaus in Qala auf das Mittelmeer.
Alte Villa im Nachbardorf Nadur.
Wunderschöne Ausblicke entlang des Küstenwanderwegs.

Die quirlige Hauptstadt Viktoria versprüht metropolitischen Charme. Ab dem frühen Abend sind die Straßen voll, alles strömt auf die Partymeile. Trotz nur knapp 3000 Einwohnern ein wahrer Geniestreich der Tourismusbehörde. Nach dem Prinzip der künstlichen Verknappung hat man einfach die zentrale Straße der Stadt so eng und kurvig gebaut, dass schon ab drei Autos eine Stopp-and-Go-Situation entsteht. Alles voll. Autos hupen. Bars und Cafés locken mit bunter Leuchtreklame. Wie in New York.

Rote Telefonboxen überall auf der Insel Gozo verteilt.

Was uns letztendlich vollends davon überzeugt hat, dass Gozo genau die richtige Insel für uns ist, waren die Strände. Auf allen Prospekten als versteckte Kleinode angeprisen, besuchten wir gleich zwei dieser spektakulären Badeorte. Wirklich bezaubernd, wie klein so ein Strand sein kann. Und auch der Müll, lässt wohlige Erinnerungen an den letzten Mallorca-Urlaub aufkommen. Aber dafür, sind wir ja nicht wirklich auf Gozo. Maltas kleine Schwester bietet viel Natur und Entspannung. Die lokale Bevölkerung lebt ihren Alltag und wir mit ihnen. Einfach, unaufgeregt und ohne großen Touristentamtam. Hier heißt es einfach: Gönnen können 🙂

Ramla-Bay – berühmtester Strand der Insel.
San Blas Strand – einsamster Strand der Insel Gozo.

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