Einmal zum Himmel der Welt und zurück – White Mountains. USA 2016

Über Nacht hatte es in Plymouth kräftig gewittert und so war die Luft das erste Mal auf unserer Reise am kommenden Tag klar und nicht mehr stickig. Auch die Temperaturen waren etwas gesunken und die Sonne schien: Ein perfekter Tag zum Wandern!

Nach einem verhältnismäßig feudalem Frühstück (im Motel der letzten Nacht gab es nur Kaffee und abgepackte Donuts) mit Joghurt, Waffeln und Obst im Freien zogen wir mit unserem vollgetankten Ford Focus zum Franconia Notch State Park.

Der White Mountain National Forest ist kein zusammenhängendes Gebiet, wie die Parks im Westen der USA. Er ist durchsetzt von verschiedenen State Parks und wird an einer Stelle im Norden sogar ganz unterbrochen. Je tiefer wir in den Wald einfuhren desto mehr zog sich die Wolkendecke zu und die ersten Regentropfen landeten auf unserer Windschutzscheibe.

 
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Am Visitor-Center der Flume gab es sogar einen richtigen Schauer. Wir erkundeten erst einmal das Gebäude und schauten einen Film über die Gegend. Als der Regen nachgelassen hatte wanderten wir den kurzen Wanderweg (ca. 4 km hin und zurück) zu den Wasserfällen.

Trotz des schlechten Wetters begleiteten uns viele andere Wanderer entlang der verschlungen Pfade durch den Wald und entlang des Holztreppen direkt an den Kaskadenähnlichen Wasserfällen mitten in der Schlucht. Die Flume bietet ein wirklich beeindruckendes Bild von Stein und Wasser (leider sind die Fotos wegen des diesigen Wetters gesamtheitlich eine Katastrophe geworden…)

 
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Was mich allerdings am meisten erstaunte ist, dass die hölzerne Treppe trotz Regenwassers nicht rutschig war.

 
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Auf dem Rückweg zum Visitor Center passierten wir nochmal eine leuchtend rote, moderne Covered Bridge und statteten dem Gift Shop unseren obligatorischen Besuch ab.

 
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Leider schienen sich die dunklen Wolken am Himmel etwas festgehangen zu haben als wir tiefer in den Wald fuhren. Als wir das berühmte Hotel Bretton Woods am Fuße des Mt. Washington passiert hatten, waren wir unsicher den gewaltigen Berg überhaupt zu erklimmen.

 
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Einerseits war unser Ford kein roter Blitz, sondern eher eine Gurke und andererseits war der Berg so Wolkenverhangen, dass wir ihn nicht mal ausmachen konnten. Wir fahren erstmal weiter und warten ab, war unser Motto.

Unterwegs entdeckten wir noch eine mittelalterlich anmutende Kirche aus Stein, die aber leider geschlossen war.

 
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Je näher wir dem Ziel kamen desto mehr klärte sich der Himmel aber auf. Daher fuhren wir den White Mountain Highway gen Norden zum Eingang des Auto Corsos.

 
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Die Gegend ist sehr touristisch geprägt, wie an einer Perlenketten reihen sich Motels, Ski-Ressorts, Gift Shops und allerlei weitere Versorgungstempel aneinander. Bei klarem Sonnenschein erreichten wir am Mittag den Eingang zur 8 Meilen – Autoroute zur Spitze des Mt. Washington.

 
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Am Kassenhäuschen wurde uns eine Anleitung zur Bergfahrt und eine CD ausgehändigt und ab ging die Fahrt! Der freundliche Kassewart hatte unseren Ford in den Gang S1 gestellt, weswegen er ein ziemlich penetrant röhrendes Geräusch von sich gab. Wie empfohlen stoppten wir regelmäßig, um den Motor zu kühlen.

 
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Je höher wir kamen, desto kälter wurde es. Meine Hotpants erwies sich ?überraschenderweise? als nicht besonders Berggeeignet… Im Gegensatz dazu erwies sich unser Auto als ziemlich zuverlässig und machte keine Mucken trotz der teilweise immensen Steigung.

 
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Bis auf einen kurzen Abschnitt auf dem die Straße nicht geteert ist, fühlten wir uns sogar verhältnismäßig sicher, obwohl es keine Knautschzone zum Abgrund gibt.

 
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Kurz vor erreichen der Bergspitze fuhren wir in dichten Nebel – oder sagt man hier oben Wolke? – ein, der uns und alles auf dem Berg umhüllte.

 
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Oben angekommen gönnten wir uns erstmal eine warme Mahlzeit, denn es war saukalt. Ich bestellte ein Chilli-Hotdog.

 
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Das entpuppte sich als Hotdogbrötchen mit Würstchen und einer Ladung Chilli Con Carne oben drauf. In der Kantinartigen Halle gesellte sich ein älteres, amerikanisches Pärchen zu uns.

Die Frau sprach fließend deutsch, denn ihre Familie war 1947 in die USA ausgewandert. Zusammen mit ihrer Familie, die sich noch auf dem Wanderpfad befanden, erkundeten sie Neuengland.

 
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Wir beeilten uns danach in der Kälte das Tip Top House und die Gegend zu erkunden. Wegen des dichten Nebels habe ich die alte Herberge des Berges mit ihren meterdicken Wänden fast gar nicht gefunden. Drinnen war es zum Glück gemütlich warm.

 

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Überraschenderweise sahen wir auch die Bergbahn, welche gerade neue Gäste zum Tal zurückbrachte. In dem kleinen Museum gab es eine Liste mit den Toten, die der Berg bis heute gefordert hatte. 153 Personen (darunter zwei in diesem Jahr) starben vor allem durch Stürze und auch Hypertermie.

So konnte ich die stetig einkehrenden Wanderer, darunter auch Kinder – immer weniger verstehen, wie sie sich solchen Risiken aussetzen können.

 
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Die Rückfahrt war unerwarteterweise ein Klacks für unseren Ford. Einfach wieder in den S1-Gang geschaltet und die Motorbremse erledigte alle Arbeit allein – wow, so einfach hatten wir uns das nicht vorgestellt.

Unser weiterer Weg führte uns nach Süden in Richtung Conway zu Dianas Bath. Ein kurzer Trail durch einen lichtgefluteten Nadelwald führte uns zusammen mit vielen anderen Badegästen zum Wasserfall.

 
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Dianas Bath ist eine natürlich Gesteinformation, die von Wasser umspült wird und eine perfekte Kulisse für einen erholsamen Nachmittag mit Baden gibt. Hier herrschte an diesem sonnigen Nachmittag daher auch Freibadstimmung – nur ohne Pommesbude. Wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen und verbrachten dort ein paar entspannte Stunden.

Als die Sonne tiefer gesunken war und sich Schatten über das Bath legte, wurde es kühler und wir brachen wieder auf. Der Weg nach Portland auf dem Hwy. 113 empfiehlt sich in meinen Augen mehr als Scenic Route als viele andere Wege, die wir bisher in Neuengland gefahren waren.

Wir fuhren durch Kleinstädte mit weißgetünchten Kirchen und liebevoll gepflegten Gärten immer wieder unterbrochen von kleiner Walddurchzogenen Wiesen- und Seenlandschaften.

Nach etwas hin- und hergeirre erreichten wir gegen 19 Uhr unser etwas reizloses aber sauberes Motel 6 in Portland – beides gilt irgendwie auch für die ganze Stadt. Was aber positiv aufgefallen ist, dass ganz Portland von Radwegen durchzogen ist, die sogar von ein paar Wagemutigen genutzt werden!

 
Kosten und Organisation
 
 

41 $ p.P. Ü Motel 6 Portland, ME

16 $ Eintritt Flume

5 $ p.P. Tanken

19 $ p.P. Eintritt Mt. Washington

1,50 $ Eintritt Dianas Bath

7,50 $ Baconator- Burger-Combo Wendys

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Summe 90 $

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