Ein Tag in Vancouver – Stadt der bunten Farben

Die besten Entdeckungen sind zufällig. Als wir früh morgens unseren Tag mit einer kleinen Joggingrunde um die Wohnhausblocks im Süden Vancouvers starteten, ließen wir uns einfach ein wenig durch die Straßen treiben. Nach nur ein paar Minuten stießen wir auf einen grasbewachsenen Berg, den vor uns ein paar schwitzende Jogger erklommen. „Was die können, können wir auch!“

Also hoch den Berg. Vorbei am Bloedel Parkplatz näherten wir uns einem gläsernen Blob, der sich als das Bloedel Floral Conservatory entpuppte. Ein Herr Prentice Bloedel, seines Zeichens Philanthrop und Vorreiter im Reyclingbusiness, war einst am Bau des charakteristischen Tropenhauses beteiligt.

Wir durchjoggten die darum entstanden Gartenlandschaft im asiatischen Stil und zogen an versteckten kleinen Plätzen vorbei. An jeder Ecke fanden wir Yoga-Begeisterte, die der aufgehenden Sonne einen Sonnengruß entgegenstreckten. Eine Ruhe, die wir heute so nicht mehr finden sollten.

Eine Dusche später und mit Hunger im Bauch, schwungen wir uns wieder auf das Rad. Die kleine Insel Granville Island ist durch ein kompliziertes Brückensystem mitten in der Stadt mit den anderen Stadtteilen Vancouvers verbunden. Nach einer kleinen Weltreise über Brücken hinüber, unter Brücken hindurch und parallel zu Brücken, erblickten wir endlich in bunten Lettern (unter einer Brücke) das Eingangsschild „Granville Island“.

Die Insel ist das Fress- und Vergnügungsmekka vor den Toren Downtowns. Da viele der kleinen Cafés und Restaurants früh morgens noch geschlossen hatten, steuerten wir gleich den Foodmarket an. Von Obst und Gemüse, über Backwaren, Fisch und Fleisch bis hin zu Pasteten und Gewürzen aus aller Herren Länder findet der kundige Gourmet alles für die perfekt ausgestattete Küche oder ein angemessenes Mahl.

Ich entschied mich für eine lokale Spezialität zum Frühstück: den Namanino Cake. Mit einem dieser „Teilchen“ aus Buttercreme, Schokolade und Getreidekuchen im Magen hätten die Gefährten im Herrn der Ringe ihre ganze Reise nicht hungern müssen. Egal, ist ja Urlaub, dachte ich mir auf der Sonnenterrasse des Foodmarkets mit Blick auf Downtown.

Mit vollem Magen und der Sonne im Zenit wanderten wir zu Fuß über eine der vielen Brücken nach Downtown. Immer wieder warfen wir einen Blick in die vielen kleinen Geschäfte, Stores und Secondhandläden (nennt man die heute noch so?) am Straßenrand. Jenni kaufte sich in einem Asia-Trödelladen ein zehn Meter Handy-Kabel. Toll, schon jetzt hat sich die Reise gelohnt!

Am Pier am anderen Ende der Shopping-Straße gönnten wir uns eine Pause und beobachteten Wasserflugzeuge beim Landen.

Die Sonne brannte mittlerweile vom Himmel, die 30 Grad Grenze hatten wir lange überschritten. Unser Reiseführer bot uns die rettende Lösung: Im Stanley Park gibt es ein Schwimmbad!

Wir schnappten uns die beliebten Leihräder an einer Station in der Nähe und radelten entlang des Ufers zur Halbinsel, die Nord- und Südvancouver miteinander verbindet. Als Studenten hatten wir in Göttingen die harte Schule des Radfahrens in Massen erfolgreich gemeistert. Daher waren wir auf die Fahrradstaus und Touristenbiker optimal vorbereitet, die uns auf der Strecke rund um den Stanley Park erwarteten.

Verunsicherte Drahtesel-Noobs ließen wir locker hinter uns und zogen erfolgreich an untrainierten Langsamfahrern vorbei. Und das mit Erfolg: In 40 Minuten hatten wir die bewaldete Halbinsel bis zum Schwimmbad umrundet. Leider konnten die wunderschönen Ausblicke den Massentourismus nicht wettmachen, sodass wir mit einigen Ausnahmen keine Stopps einlegten.

Nach so viel körperlicher Betätigung war erst einmal nichts tun angesagt. Da das Schwimmbad mehr Menschen als Wasser beherbergte, legten wir uns einfach an den Strand. Die kleine Lagune des Second Beach besteht aus hellem Sandstrand, nur die Wasserlinie ist leider ziemlich algenverseucht. Trotzdem genossen wir die Sonne und beobachteten die mutigen Badenden, die sich durch den Algenschlick kämpften.

Wer nun denkt: es war ein langer Tag, lasst es doch gut sein. Der denkt anders als wir. Sonnentrunken erklommen wir mit unseren Rädern Hügel um Hügel bis nach Gastown. Wir hatten schließlich noch keine Mitbringsel. Und wo kann man die besser kaufen als mitten im Toruistenstrudel? Die Antwort darauf dürfte eigentlich immer „überall“ sein. War es in dem Fall auch, denn nach einer Stunde in Shops mit Uhren aus Plastikbären, Elch-Kacke aus der Tüte und lustigen T-Shirts mit Spruch war „aus die Maus“ für heute.

Eines möchte ich aber nicht unerwähnt lassen: zum Abschied gab es Burger von A&W. Top Burger-Kette, auf jeden Fall Süßkartoffelpommes probieren – so ich bin raus!

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