Backstein, Schiffe und das Rotlichtviertel – Kiel. Nordtour 2014

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Rund dreieinhalb Stunden fuhr ich noch mit der Sonne Borkums im Herzen und drei Mitfahrgelegenheiten im Auto durch die platte Norddeutsche Landschaft nach Kiel. Immer noch bei Top-Wetter wurde ich von einer alten Freundin aus Aurich, die es nun nach Schleswig Holstein verschlagen hatte, empfangen.

Für den restlichen Tag stand eine kleine Sightseeing-Tour durch die Stadt und den Hafen auf dem Programm. Gegen sieben Uhr abends trafen wir unseren Kumpel Lars im Schevenpark, einem pitoreskem Treffpunkt für grillende Studenten, Jogger und entenfütternde Rentner.

 

Schrevenpark

 

Vorbei am alten botanischen Garten beim Literaturhaus, der nun für literarische Veranstaltungen genutzt wird und einen sensationellen Blick auf den Hafen offenbart, zog es uns stets Richtung Ufer.

Im Licht der untergehenden Sonne blickten wir ein paar Meter weiter auf das Hafenbecken von Kiel. Uns begegneten auch hier eine Menge Jogger, eine Tango-Tanzgruppe und allerlei Erholungsgäste, die die Promenade entlangschlenderten. Wir nahmen in einme der vielen kleinen Lokale im Biergarten platz und beschlossen den Abend mit Carpaccio, Cola und Pommes – was für ein Leben!

Kiel nachts

Die Sonne war längst untergegangen als wir quer durch das ausufernde Rotlichtviertel am Hafen zurückbegaben. Leider eilt Kiel der Ruf einer hässlichen Stadt voraus. Ich muss zugeben, dass ich dies gar nicht glauben konnte, bis ich das Rotlichtviertel und die sich dahinter befindliche Innenstadt sah.

Hier hat sich der 70er Jahre Baupraktizismus voll durchgesetzt und ein Stadtpanorama des Grauens hinterlassen. Kiel gehört offensichtlich zu den Städten, die man bewusst erkunden muss. Für mich als Wolfsburgerin und Neu-Mannheimerin nichts Neues.

 

Ein Sommertag in Laboe

Am nächsten Tag erwartete uns zu diesem Kulturschock ein erholsames Gegenprogramm. Mehr zu unserem Ausflug ins Wikingerdorf Haithabu bei Schleswig hier.

 

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Einen Tag später nach unserem Ausflug ins Wikingerleben, erkundeten wir wieder Schleswig Holsteins sympathische Hauptstadt Kiel.

Morgens joggten wir an einem etwas unbekannteren Strand nördlich der Stadt eine halbe Stunde in der bereits ziemlich heißen Sonne den Strand entlang. Bei diesem bombastischen Wetter blieb uns später natürlich nichts anderes übrig als zum Strand zu fahren.

Mit der Buslinie 101 fuhren wir quer durch Kiel vorbei am Hauptbahnhof, dem Hafen und etlichen Touristendampfern, die im Hafenbecken anlegten und ihre Gäste regelmäßig nach Skandinavien schiffen. Entlang der Förde ging es durch die malerische Landschaft und immer kleiner werdenden Dörfern in den Ferienort Laboe.

 

Urlaubsfeeling in Laboe

 

Das kleine Fischerdörfchen begrüßte uns mit einem Rummel und Jahrmarktständen am Hafen. Eine lokale Rockband probte für ihren Auftritt beim Hafenfest am Abend.

Wir schlenderten durch die Gassen. Die kleinen Bachsteinhäuschen mit weißen Fenstern und Fassadendekorationen, die überall an Nord- und Ostseeküste zu finden sind, zeugen von dem einst bescheidenen Leben der Fischer an Küste.

Heute bieten sie zusammen mit den liebevoll bepflanzen Gärten einen farbenfrohen Kontrast zum strahlend blauen Himmel. An der Strandpromenade, die mit den üblichen Strandmodegeschäften und Imbissbuden gesäumt ist, hielten wir kurz bei einem kleinen Buchladen an. Der Elatus-Buchladen bietet eine gut sortierte Auswahl an Urlaubsliteratur und ungewöhnlichen Mitbringseln.

 

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Strafe muss sein

 

Der Weg zum schneeweißen Sandstrand war leider versperrt, denn wer sich am Ostseestrand tummeln möchte muss mindestens zwei Euro pro Tag zahlen. Mit geizigen Hintergedanken wollten wir zum etwas abgelegenen Surferstrand gehen und uns die Taxe so sparen. Genialer Gedanke, groß gescheitert.

Leider wird der Surferstrand nicht geräumt und wir stapften durch Berge an spitzkantigen Muschelschalen und ekligen Algen zu einem halbwegs sauberen Ort. Der fischige Geruch, ein Schnitt in der Fußsohle durch eine spitze Muschel und ein heruntergefallenes Eis rundeten unseren Strandausflug des Grauens perfekt ab.

Wir ließen uns nicht beirren, blieben trotz allen Widrigkeiten noch eine Zeit lang dort und schauten uns die tapsigen Versuche einiger Surfanfänger im Wasser an.

 

Mit Rückenwind

 

Die Rückfahrt nach Kiel mit der Fähre quer durch die Förde war im untergehenden Licht der Sonne wunderschön. Wir ließen uns von einem zum anderen Küstenort treiben begleitet von knallharter deutscher Hip-Hop-Mucke aus dem Radio-Rucksack unserer saucoolen Sitznachbarn Anfang 20.

Auch sie konnten uns nicht die Stimmung vermiesen und wir bissen stoisch in unser Fischbrötchen bis die Fähre am Kieler Hafen anlegte. Mit einem letzten Blick in die Förde endete der Küsten-Teil meine Nordtour 2014.

 

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