Auf einen Plausch mit den ersten amerikanischen Siedlern – Plymouth. USA 2016

Nach einer überraschend ruhigen Nacht in unserer bullenheißen KOA-Butze wachten wir jetlaggemäß gegen 6 Uhr auf. Entgegen aller Befürchtungen hatten uns die Mücken halbwegs verschont und auch die von uns erwarteten Samstag-Abend-Campingplatz-Partys sind ausgeblieben.

Zu dieser frühen Uhrzeit reisten bereits die ersten Camper wieder ab. Zu unserem Erstaunen verlief das aber alles sehr ruhig – so hatten wir nicht mal bemerkt, dass auch unsere Hüttennachbarn bereits aufgebrochen waren. In aller Gemütlichkeit bereiteten wir unsere Abreise vor und frühstückten vor dem Haus.

Über die Nacht hatte es etwas geregnet, weshalb es nicht mehr so stickig war und die Temperaturen etwas gesunken sind. Die Luftfeuchtigkeit war enorm hoch, sodass all unser Gepäck irgendwie klamm war. Bei bedeckten Himmel brachen wir gegen 7.30 Uhr in Richtung Plymouth auf. Die kurze Strecke auf dem Highway 44 hatten wir schnell hinter uns gebracht.

 
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Plymouth ist ein kleiner – an manchen Stellen etwas heruntergekommener Küstenort mit einer bedeutenden Geschichte. Genau hier landete 1620 die berühmte Mayflower mit den ersten Siedlern auf dem amerikanischen Kontinent.

 
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So früh morgens war außer ein paar Joggern wenig los und wir mussten nicht einmal Parkgebühren zahlen 🙂 Wie spazierten entlang des Wassers zur Mayflower II (eine Nachbildung des Pilgerschiffes Mayflower) und zum Plymouth Rock.

 
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Die Bewohner der Stadt schufen sich im 18. Jahrhundert ihre eigene Legende, indem sie den kleinen Felsbrocken zu ihrem Gründerstein ernannten.

 
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Pünktlich zur Öffnungszeit der Plymouth Plantation – und vor Ablauf des kostenlosen Parkens – fuhren wir zu den ersten Siedlern Amerikas. Das Freilichtmuseum zeigt eine originalgetreue Nachbildung der ersten Siedlung der Plymouthbewohner sowie ein kleines Indianderdorf.

 
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Über einen kleinen, bewaldeten Pfad erreichten wir zuerst die Indianer. Zuvor hatten wir uns über ein Warnschild lustig gemacht, auf dem davor gewarnt wurde, dass die Indianer anders aussehen als man das aus dem Fernsehen kennt. Ha, ha wie unerwartet hatten wir gewitzelt. Als ich den ersten fast komplett nackten Indianer dann sah, war ich doch etwas überrascht…

 
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Als nächstes besuchten wir das Craftcenter. Ob Weben, Kerzen ziehen, Klöppeln oder Brot backen – hier wird das Handwerk der ersten Siedler gezeigt. Natürlich kann man die Produkte dann gleich auch im angrenzenden Shop kaufen 🙂

 
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Ein hölzernes Tor führte uns dann in die komplett nachgebaute Siedlung aus dem 17. Jahrhundert. Das Leben wird so originalgetreu wie möglich dargestellt. Die Menschen in den Hütten sind nicht nur wie vor 350 Jahren gekleidet, sondern gehen auch dementsprechenden Tätigkeiten nach und bleiben komplett in ihrer Rolle als Renaissance-Mensch.

 
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Ein sehr redseliger älterer Herr, der sich uns als der bestgekleidete Mensch des Ortes vorstellte, hielt uns einen längeren Vortrag über die Religion in der Siedlung und dass man – nach der Bibel – jeden Tag bis auf den Sabbat (Samstag) arbeiten müsste, um ein gottgefälliges Leben zu führen. Als wir ihn dann fragten, was er denn heute dann noch arbeiten würde, geriet er etwas in Verlegenheit.

Als bestgekleideter Bewohner, kniet man sicher nicht auf dem Feld, erklärt er uns, je höher der soziale Rang, desto wichtiger auch die Aufgaben. Er warte zum Beispiel gerade auf den Priester des Ortes, einem Mann von hoher Bildung und mit der derzeit größten Bibliothek Amerikas – wir haben nachgezählt, es waren sechs Bücher 🙂

 
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Da wir relativ früh da waren, hatten wir – ausgenommen von einer Busladung Asiaten – die Siedlung fast für uns allein. Daher hatten die redseligen „Bewohner“ viel Zeit für uns. Der mit fast 30 $ sehr teure Besuch hat sich für uns daher sehr ausgezahlt. Ich hätte nicht gedacht, dass das Living History-Konzept so gut funktioniert und man allein durch die Gespräche viel lernt und erlebt.

 
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Die Hemmungen mit den Bewohnern zu sprechen, lösen sich sehr schnell auf und wir konnten auch endlich herausfinden woher die ganzen Motten in der Gegend kamen. Ein Bauer erklärte uns, dass es derzeit eine Mottenplage an der Küste gibt und die Regierung an anderen Orten bereits Gift gesprüht hatte. Woher ein Bauer aus dem 17. Jahrhundert so etwas weiß, konnten wir uns auch nicht erklären 😀

 
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